Zusammenfassung

688 Kollegen (ca. 14 %) haben die Umfrage des BFAV beantwortet, die an 5000 Kollegen gefaxtwurde. Auch online konnten die Fragen beantwortet werden. Die Umfrage ist anhand mehrerer Parameter als repräsentativ zu betrachten.

Ergebnisse

42% der Befragten tragen sich mit der Absicht, in den nächsten 6 Jahren ihren Versorgungsauftrag zu reduzieren oder ganz abzugeben.

Die Rahmenbedingungen für die ärztliche Arbeit beeinflussen dabei maßgeblich die Entscheidung, notfalls auch früher als beabsichtigt in den Ruhestand zu gehen - je näher der Arzt an der Rente ist, desto eher würde er diese Gelegenheit ergreifen. 78% derjenigen, die ihren Ruhestand in den nächsten 4 Jahren planen, würden sofort ihre Zulassung zurückgeben, wenn eine zusätzliche Dienstbelastung durch eine Öffnung der Bereitschaftspraxen rund um die Uhr umgesetzt würde.

Insbesondere die Umsetzung der Bereitschaftsdienstreform in Bayern stößt auf herbe Kritik. 82% der Befragten wollen eine Änderung in dem bisherigen Vorgehen der KV Bayerns. 85% wünschen sich, das regionale Bedarfe und Bedürfnisse der Dienstgruppen mehr Berücksichtigung finden. 72% regen an, dass der Fahrdienst für Ärzte durch einen "Holdienst" für Patienten ersetzt wird, um weniger wertvolle ärztliche Arbeitszeit auf der Straße zu vergeuden.

Die Ergebnisse der Umfrage stellen ein deutliches Alarmsignal an die Gesundheitspolitik im Freistaat und im Bund dar und sollte Anlass zum raschen Handeln geben.

Umfrage des Bayerischen Facharztverbandes zur Notfallversorgung

Der Bayerische Facharztverband (BFAV) führte in der Zeit vom 15. bis 31.05.2018 eine Umfrage zur Notfallversorgung unter den bayerischen Vertragsärzten durch.

Von ca. 5000 per Fax oder online kontaktierten Vertragsärzten haben 688 Kollegen geantwortet. Das entspricht einer Teilnahmequote von annähernd 14% der angeschriebenen Ärzte. Ebenso wird bei einem Anteil von 70 zu 30 (männlich/weiblich) das tatsächliche Zulassungsverhältnis ziemlich genau widergespiegelt. Außerdem entspricht die Beteiligung proportional dem Bestand aus allen sieben Regierungsbezirken

Die Studie zeigt damit eine gute Repräsentativität wie auch der Vergleich der Bevölkerungszahl mit der ärztlichen Teilnehmerquote in den verschiedenen bayerischen Bezirken belegt.

Die Fragen wurden von 70% männlichen Teilnehmern und 30% weiblichen Teilnehmernbeantwortet, was in etwa die derzeitige Verteilung von weiblichen und männlichen Niedergelassenen widerspiegelt (60 M:40 W). Auch die Verteilung von Einzelpraxen und Berufsausübungsgemeinschaften/MVZ entspricht mit 62: 38 der realen Verteilung in Bayern. Fachärzte sind in der Umfrage mit 85% überrepräsentiert, was jedoch auch zeigt, welche Bedeutung das Thema gerade für die Fachärzte, insbesondere auch die Fachärzte in der Grundversorgung hat.

Die Aufteilung nach Fallzahlen zeigt, dass es sich bei den antwortenden Kollegen in der Tat um durchschnittliche bis überdurchschnittliche sog. "Versorgerpraxen" handelt, die gerade im ländlichen Bereich für die Aufrechterhaltung der medizinischen Betreuung von großer Bedeutung sind - immerhin 27% der antwortenden Kollegen betreuen mehr als 1500 Patienten pro Quartal. 55% der Kollegen betreuen zwischen 50 -150 Privatpatienten. Daran wird deutlich, dass die immer wieder angeprangerte "Zwei-Klassenmedizin" nur eine untergeordnete Bedeutung für die Versorgung von Patienten haben dürfte.

Hierbei wird deutlich, dass es sich bei den Kollegen eher um "leistungswillige" Ärzte handelt. 58% scheuen die Anhebung der Sprechstundenzeiten von 20 auf 25 Wochenstunden nicht, weil sie diese Sprechstundenzeiten bereits jetzt deutlich überbieten.

Ein Warnsignal für die politischen Entscheider in Bayern ist die Zahl von 42% der Umfrageteilnehmer, die ihren Versorgungsumfang in den nächsten 6 Jahren verändern, bzw. Ihre Praxistätigkeit beenden werden.

Dabei ist bemerkenswert, dass die derzeitigen gesetzgeberischen Aktivitäten, wie zum Beispiel die Öffnung der Bereitschaftspraxen rund um die Uhr mit entsprechender Dienstverpflichtung, einen starken Anreiz für Ärzte sind, sich in den Ruhestand zu verabschieden.

Insbesondere diejenigen, die sich in kürzerer Zeit mit dem Gedanken tragen, in Rente zu gehen, würden damit sehr viel schneller der Versorgung verloren gehen. 78% der Kollegen, die in den nächsten 4 Jahren ihre Tätigkeit beenden wollen, würden das sofort tun, wenn diese Regelung in Erwägung gezogen wird. Das würde zu einem Turbolader für den Ärztemangel in Bayern werden.

Von besonderer Bedeutung dürfte auch sein, dass es keine Unterschiede zwischen kleinen, mittleren und den potenten "Versorgerpraxen" gibt. Ca. 55% - auch der großen Praxen mit über 1500 Scheinen - würden sich dann aus dem Versorgungsgeschehen verabschieden. Das würde deutliche Lücken in die Versorgung auf dem ländlichen Bereich reißen, wo diese Versorgerpraxen dringend benötigt, aber dann auch meist nicht nachbesetzt werden.

Eindeutig stellt sich auch der Standpunkt der befragten Kollegen zur bayerischen Bereitschaftsdienst dar:Die Belastungen des Fahrdienstes stoßen - wie auch in der letzten Befragung - auf herbe Kritik. 82% der Kollegen wollen die Bereitschaftsdienstreform in dieser Form nicht fortgesetzt sehen. 85% wollen, dass die Bereitschaftsdienstreform auf regionale Bedarfe und Bedürfnisse Rücksicht nimmt.

Als Lösung sehen 72% der Befragten eine Auflösung des Fahrdienstes und einen "Holdienst", der die Patienten zu einer Arztpraxis oder der Bereitschaftsdienstpraxis bringt, statt ärztliche Arbeitszeit "auf der Straße zu verbrennen".

Alarmierend auch die Einzelmeinungen der Kollegen, die belegen, wie viele bereits jetzt ihre "innere Kündigung" in einem System abgegeben haben, dass sie seit mindestens 2 Jahrzehnten als ausbeuterisch und repressiv empfinden. "Keinen Tag länger" oder "aus diesem Grund die Zulassung bereits zurückgegeben" oder "ich müsste eigentlich noch 20 Jahre tätig sein, weiß aber nicht, wie lange ich noch durchhalte" sind nur einige der bedenklichen Meinungsbilder, die den bayerischen Facharztverband erreicht haben.

  • „Aus diesen Gründen Zulassung gekündigt"
  • "Der weitere Ausbau sozialistischer Strukturen mit fortschreitender Gängelung der niedergelassenen Ärzte ist mir ein Dorn im Auge. Leider unterwerfen sich die Kollegen wie zu übelsten Zeiten vergangener Regime in deutschen Landen dem vorherrschenden Gesinnungsdruck."
  • "Ich bin für eine Beibehaltung des ärztlichen Notdienstes bei adäquater Vergütung, falls dies nicht gewährleistet ist, werde ich aus dem KV-System aussteigen."
  • "Wir sind FREIBERUFLER und sollten uns nicht zu so etwas zwingen lassen! Das muss auf professionelle Beine gestellt werden mit hauptberuflichen Bereitschaftsärzten, die z.B. die freie Niederlassung gar nicht wollen! Da gibt es etliche! Diese VERGEWALTIGUNG von uns Ärzten muss ein Ende haben!!!"
  • "Ich müsste noch über 20 Jahre tätig sein, glaub aber nicht, dass ich das ganze noch lange ertrage. Es vergeht kein Tag ohne dass ich hinwerfen möchte. Dauerfrust."
  • "Keine Portalpraxen in der Zeit der regulären Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzten nötig. Das ist doch nicht anderes als Polikliniken in Kommunismus. Das ist Begrabung der Freiberuflichkeit und echte 2 - Klassen Medizin."
  • "Dringend Musterklage gegen die Verpflichtung in einer Bereitschaftspraxis Dienst als Freiberuflicher leisten zu müssen anstreben (Scheinselbstständigkeit)."
  • "Keinen Tag länger als nötig."
  • "Die KV setzt uns vermutlich deswegen so unter Zugzwang, weil der Versorgungsauftrag noch das hauptsächliche ist, was sie am Leben hält. Wenn man das ganze Geld für diese Schreibtischtäter einsparen würde, das BMG mit der Aushandlung der Finanzen für Niedergelassene wie auch Krankenhäuser betrauen würde, würde man sich immenses Geld sparen, das man wiederum sinnvoll in die Notfallversorgung fern der Vertragsärzte stecken könnte."
  • "Die Vergütung für Hausbesuche ist viel zu niedrig - z.B. im Vergleich zu einem Klempner. Schon der "Fahrer" verdient derzeit mehr als der Arzt."
  • "Man denkt immer die KV Bürokratie könnte nicht mehr schlimmer werden aber leider Doppelpunkt sie kann es doch und die geplanten Telematik Strukturen sind eine Katastrophe."
  • "Die Leistung erfolgt nur noch entsprechend der tatsächlichen Vergütung; Performance only at Payment!!"

Alles in allem ein Fanal für die Gesundheitspolitiker in Bayern und der Republik, das verdeutlicht, wie dünn das Eis ist, auf dem die medizinische Versorgung der Bevölkerung noch steht.

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