21.02.2019

Stadt, Land, Schluss – BFAV kritisiert Fehlinterpretation der AOK-Studie

Dr. Wolfgang Bärtl, Orthopäde

Fachärzte werden jetzt schon schmerzlich vermisst. Der AOK-Bundesverband will künftig unter dem Slogan Stadt, Land Gesund die ärztliche Versorgung auf dem Land stärken, aber gleichzeitig teils durch nicht-ärztliche Assistenten substituieren. Für die niedergelassenen Fachärzte hat die Krankenkasse in diesem System offenbar keine Verwendung mehr.

AOK-Chef Martin Litsch zieht bei der Pressekonferenz zum Kampagnenstart einen schrägen Vergleich zum Breitbandausbau: Man brauche nicht an jeder Milchkanne einen Augenarzt. Bei näherer Betrachtung der Forsa-Umfrage ergibt sich jedoch ein anderes Bild, kritisiert Wolfgang Bärtl, niedergelassener Orthopäde aus Neumarkt i. d. Oberpfalz.

Im Zentrum der Kritik steht demnach die Interpretation der von der AOK selbst in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrageergebnisse, wonach die Bevölkerung die hausärztliche Versorgung grundsätzlich für wichtiger hält als den „Facharzt an der Milchkanne“. Die geringere Zufriedenheit mit der fachärztlichen Betreuung (nur 55% der Befragten war mit den Fachärzten zufrieden) sei nach Ansicht der Vorsitzenden des BFAV Ilka Enger „mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Umstand geschuldet, dass man eben keine schnellen Termine bekommt und die Fachärzte dann - wegen des hohen Durchsatzes - nicht mal genügend Zeit haben, sich mit dem Patienten intensiver zu befassen.“ Sei kein Facharzt vor Ort verfügbar, wie im ländlichen Bereich, dann sei auch die Zufriedenheit mit der fachärztlichen Betreuung niedriger.

„Man scheint also die fachärztliche Betreuung schmerzlich zu vermissen,“ erklärt Bärtl das Ergebnis.

Ein ähnliches Ergebnis zeigt die Statistik zur Verschlechterung der ärztlichen Versorgung. Nicht bei den Hausärzten sondern vor allem bei den Fachärzten werde die Verschlechterung deutlich und gravierender wahrgenommen - und zwar sowohl im städtischen als auch im ländlichen Bereich. Die Hausärzte und Assistenzberufe könnten diesen Verlust nicht kompensieren. Für Enger lautet deshalb das Fazit: „Auch wenn man mit dieser Marketingbefragung vermutlich etwas ganz anderes erreichen wollte, so wird doch klar, dass die Fachärzte anscheinend mehr vermisst werden als die Hausärzte.“ Bärtl wundert sich über die ideologische Verblendung der AOK-Verantwortlichen. „Für den fachärztlichen Bereich werden die Pläne der AOK eher »Stadt, Land, Schluss« bedeuten - und die betroffenen Patienten werden die Fachärzte vermissen und die Schuld dann hoffentlich bei den Verantwortlichen der Krankenkassen suchen.“

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BVNF

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