06.01.2019

»Spahnsinn« stoppen – Datendiebstahl gefährdet Patienten

Dr. Karl Ebertseder

BFAV warnt nach Hackerangriff vor der elektronischen Patientenakte. Es gibt keinen wirklich sicheren und definitiv dauerhaften Schutz von Patientendaten im Internet. Angesichts der rasanten technischen Entwicklung sind diese hochsensiblen, persönlichen Daten mit langfristiger Brisanz, deren Veröffentlichung für einen Menschen sein Leben lang fatale Folgen haben können, nur bei dezentraler Speicherung einigermaßen sicher, so warnt der Bayerische Facharztverband (BFAV) die Politik angesichts des aktuellen Hackerangriffs auf die Politprominenz im Netz.

Die persönlichen Daten von bundesdeutschen Spitzenpolitikern wurden dieser Tage gehackt und frei zugänglich ins Internet gestellt. Die elektronische Gesundheitskarte (eCard) mit der darauf basierenden Telematik-Infrastruktur (TI) und der in Entwicklung befindlichen elektronischen Patientenakte muss damit nach 15 pannenreichen Jahren Entwicklungszeit in den „Datenmüll“ entsorgt werden. 

Für den Datenschutzexperten des BFAV, den Nervenarzt Dr. Karl Ebertseder, ist dieser peinliche Vorfall der letzte Weckruf, den „ bürokratischen Spahnsinn“, sprich die elektronische Patientenakte, zur Entmündigung und Bloßstellung der intimsten Patientendaten quasi im Zieleinlauf doch noch zu stoppen. Für Ebertseder ist es „höchste Zeit, inne zu halten und den erzwungenen Anschluss aller Praxiscomputer an ein zentrales IT-Netz zu verhindern.“ Wenn bereits heute einfache Hackerangriffe die Sicherheitskonzepte der Gesundheits-App‘s und digitalen Internet-Plattformen von Vivy und Co. mühelos knacken könnten, würden immense Datenschutz-Probleme drohen, wenn in ein paar Jahren erst einmal alle Gesundheitsdaten der Bevölkerung zentral gespeichert und online abrufbar sein sollten, so die Befürchtung. 

Gefährliche Verharmlosung

Die Folgen dieser Entwicklung hätte auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Leipzig erst vor kurzem, Ende Dezember 2018, der Informatiker Martin Tschirsich unter dem Titel „All Your Gesundheitsakten Are Belong To Us“ eindringlich aufgezeigt.

- https://media.ccc.de/v/35c3-9992-all_your_gesundheitsakten_are_belong_to_us#t=2322%20 -

Die angeblich „keinen Aufschub duldende Einführung“ der elektronischen Gesundheitsakte mache mehr als 72 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland zu „unfreiwilligen Beta-Testern“ für die IT-Industrie. Deshalb sei der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bemühte Vergleich der elektronischen Patientenakte mit dem Online-Banking - was die Anforderungen bezüglich der Einfachheit der Handhabung und Datensicherheit betreffe - schlicht falsch und in der Konsequenz verantwortungslos. 

Wenn die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär öffentlich ein „Abrüsten beim Datenschutz“ fordere, damit das Geschäft mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen „endlich flutscht“ und gleichzeitig immer mehr Politiker die ‚Datenspende‘ zur gesetzlichen Pflicht machen wollen, „…dann sollten wirklich alle Alarmglocken läuten! 

Es kann dabei nicht allein darum gehen, nur einen Aufschub zu gewähren. Die Forderung an die Politik kann nur lauten: Stopp der Telematik-Infrastruktur, keine zentrale Speicherung von Patientendaten, und Schluss mit dem „Spahnsinn-Projekt“, so appelliert der BFAV-Experte eindringlich an die Verantwortlichen im Bundesgesundheitsministerium und die Partner im Gesundheitswesen.

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