25.03.2018

Böser Aprilscherz: Laborreform schickt Patienten auf Praxiswanderschaft

Im Dickicht des Honorierungsdschungels wird am 01.04.2018 die Laborreform scharf geschaltet. Der bayerische Facharztverband (BFAV) sieht die Veränderungen in der Honorierung der Labordiagnostik äußerst kritisch und befürchtet, dass neue Umverteilungsmaschinerie vor allem zu Lasten der Patienten und der fachärztlichen Grundversorger funktioniert. Schuld ist der Verschiebebahnhof im Honorierungssystem zugunsten der Hausärzte.

Der Bürokratiewahnsinn im deutschen Gesundheitswesen produziert immer skurrilere Auswüchse zum Schaden der Kranken. 
Beispiele: Ein Patient mit Gelenkschmerzen braucht zur weiteren Abklärung ein „Rheumalabor“ oder der Diabetiker soll ein „großes Diabeteslabor“ mit Cholesterin- und Nierenwerten bekommen. Ab dem ersten April könnte es sein, dass solch ein Patient sich zwischen den Fronten von haus- und fachärztlichen Versorgungsbereichen wiederfindet und auch hier um seine notwendige Diagnostik kämpfen muss. 
Schuld daran ist die neue Laborreform, die im fernen Berlin von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erarbeitet und nun – nur gegen die Stimmen der Delegierten des bayerischen Facharztverbandes – auch von der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns in die Honorarverteilungsregeln eingepflegt wurde.  Der „Labortopf“ wird vor der Bezahlung von fachspezifischen Leistungen festgelegt und gefüllt. Reicht das Geld in dem Topf nicht, besteht eine Nachschusspflicht aus den jeweiligen haus- und fachärztlichen Honorartöpfen. 
Nun wird mit den neuen Bestimmungen die Verpflichtung dem Versorgungsbereich aufgebürdet, der die Leistung anfordert, was zu entsprechenden Ausweich- und gefährlichen Vermeidungsstrategien führen könnte.
Linke Tasche, rechte Tasche
„Wir sehen die neue Laborreform äußerst kritisch,“ verweist Wolfgang Bärtl, Sprecher des BFAV und niedergelassener Orthopäde in Neumarkt auf die Zuspitzung. „Bisher haben wir uns die Verantwortung für die Laborbestimmungen mit den Hausärzten geteilt. Jetzt aber steht zu befürchten, dass wir als grundversorgende Fachärzte die Last der laborchemischen Untersuchungen und auch Verlaufskontrollen ohne finanziellen Ausgleich zugeschoben bekommen, warnt der Bayerischer Facharztverband-Sprecher die Kollegen. 
„Dem Patienten kann es nun passieren, dass er auf die Wanderschaft zwischen haus- und fachärztlicher Praxis geschickt wird,“ befürchtet BFAV-Vorstandsvorsitzende Ilka Enger, Internistin aus Neutraubling. „Bisher habe ich dieses Phänomen nur sehr vereinzelt bei Patienten festgestellt, die in der sog. Hausarztzentrierten Versorgung eingeschrieben waren. Da der Hausarzt hier ein zusätzliches Budget für die Laborbestimmungen bekommt, das er behalten kann, wenn bei dem Patienten kein Labor anfällt, kam der ein oder andere Patient eben zur Verlaufskontrolle in die Facharztpraxis.“
Der BFAV fordert die KV Bayerns und die KBV auf, dieses untaugliche Instrument zur Steuerung der Laborleistungen zu überdenken. „Diese Laborreform gefährdet einmal mehr die notwendige Behandlung unserer Patienten und die finanzielle Grundlage der grundversorgenden Praxen,“ so Bärtl.

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