17.05.2017

»Die Freiheit nehm ich mir!« – BFAV unterstützt Frauenpower in der Praxis

Erster Workshop für Ärztinnen zur Niederlassung

Erster Workshop für Ärztinnen zur Niederlassung

Junge Kolleginnen, die gerade ihre Facharztprüfung hinter sich haben und nun in die Selbständigkeit streben, fühlen sich sehr häufig im Stich gelassen – insbesondere von den offiziellen Körperschaften der Ärzteschaft. Eine Begleitung und Beratung während der Facharztausbildung und –prüfung wird ebenso vermisst, wie ein „Mentoring-Programm“, welches die ersten Schritte in der Praxis, bei Abrechnung, Gestaltung der Praxis, Personalführung etc. begleitet. Deshalb startet der Bayerische Facharztverband (BFAV) auf Initiative von Vorstandsmitglied Dr. Astrid Schmidt, unter dem Motto »Die Freiheit nehm ich mir!« den ersten Workshop exklusiv von und für Frauen in und vor der Niederlassung.

Der Workshop wurde eröffnet von der Unternehmerin Alexandra Batsch, die das inzwischen weltweit agierende Schreibgeräte-Imperium "Online" gegründet hat. Im Rückblick auf ihren Start in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit "Kellerunternehmen" machte sie den Teilnehmerinnen Mut, sich Herausforderungen zu stellen, um die eigene unternehmerische Freiheit ausleben zu können. "Hartnäckigkeit, Zähigkeit und der Glaube an sich selbst", seien die Erfolgskriterien. Mut und Möglichkeiten waren dann auch die Stichworte für die Kalligraphin Doris Gräber, die sich von dem Wochenende zu einem Wandbild inspirieren ließ "Wenn nicht jetzt, wann dann?" war die Frage, die sie den niederlassungswilligen Frauen mit auf den Weg gab.

»Pains und  Desires«

In der ersten Diskussionrunde wurden die Ängste und Wünsche der Anwesenden sehr schnell deutlich. In diese Lücke stößt Schmidt mit Ihrer Idee zum Frauenpower-Mentoringprogramm, die hier ihre eigene Erfahrung als selbständig tätige Orthopädin in eigener Niederlassung einbringen kann. Über die Herausforderungen für selbständige Ärztinnen wurde intensiv auf Augenhöhe diskutiert. So wurde zwar angemerkt, dass einerseits die Tätigkeit in der Praxis mit flexibel und individuell anpassbaren Sprechzeiten das Management von Familie und Beruf erleichtere, aber gleichzeitig Ängste bestünden, ob und wie man die Babypause und Elternzeit ohne wirtschaftliche Einbrüche überstehen könne oder die Kinderbetreuung mit der Praxis unter einen Hut bringen könne.

Vertrauen, Verlässlichkeit, Vergütung

Diese Wünsche gaben die jungen Mütter und Familienmenschen auch Emmi Zeulner mit, die selbst eine 5 Monate alte Tochter hat und das Familienleben als CSU-Bundestagsabgeordnete im Gesundheitsausschuss mit einer politischen Karriere unter einen Hut bringt. Schnell wurde klar, dass man sich von der Politik wünscht, dass unternehmerische Freiheiten gefördert und nicht durch immer mehr Bürokratie, mehr Regelungen und mehr strukturelle Eingriffe erschwert werden sollten. BFAV-Sprecher Wolfgang Bärtl gab als Moderator der Veranstaltung der Politikerin die drei "V" mit auf den Weg: Man müsse endlich wieder Vertrauen haben in die Fähigkeiten der Ärztinnen und umgekehrt müssten Mediziner wieder der Politik vertrauen dürfen.

Die Kolleginnen bräuchten nicht nur Lockangebote, die sie kurzfristig in die Niederlassung bringen, sondern Verlässlichkeit für eine Lebensentscheidung, die man mit der Niederlassung treffe. Und zu guter Letzt müsse eben auch die Vergütung stimmen, wolle man nicht weiter riskieren, dass der Ärztemangel bei Haus- und Fachärzten zu einem weiteren Abbau gerade der wohnortnahen Versorgung auf dem Lande führe. Mit Begriffen wie Freiheit und Freiwilligkeit tut sich die Politik aber schwer, wurde angemahnt, da respektiere man nicht, dass Ärzte eben auch mittelständische Unternehmen führen, die durch die gesetzgeberischen Eingriffe wie Bedarfsplanung und Kontrolle ersticken würden.

Praxisschock?

Im anschließenden Workshop wurde es dann ganz pragmatisch. Was kann EDV in der Praxis für mich leisten? Wie helfen mir elektronische Tools, um Zeitfresser in der Praxis zu minimieren und damit mehr Zeit für Familie und Freizeit zu schaffen. Diesen Fragen stellte sich Thomas Lobensommer von der Firma Medatixx. Auch hier wurde klar, dass sich Praxisbeginner neutrale Beratung wünschen würden - sozusagen von "alten Hasen für junge, mutige Füchse". Dass Ärztinnen da durchaus edv-affin sind, ohne zugleich ihr Arzt-Patienten-Geheimnis preisgeben zu wollen, wurde mehr als deutlich. EDV soll da eingesetzt werden, wo sie sinnvoll ist. Die Vertreterin der APO-Bank, Brigitte Mederer, zeigte schließlich, dass Frauen vielleicht etwas vorsichtiger wirtschaften als Männer und vielleicht auch zögerlicher sind in dem Wunsch, sich niederzulassen. Sie sind jedoch in der Selbständigkeit auf dem Vormarsch und führen ihre Praxen erfolgreich.

Die richtige Planung des Unternehmens macht den Erfolg. Auch hier würde sich so manche Frau mehr Unterstützung und "wirtschaftliche Schnupperkurse" wünschen. Der richtige Zeitpunkt dafür ist ,so die einhellige Teilnehmeranregung die Weiterbildungszeit, weil hier der Wunsch nach Selbständigkeit wachse, man aber meistens nicht wisse, wie man es konkret angeht, die Karriere im eigenen "Arztunternehmen" zu planen.

Ideenbörse

Insgesamt drei Stunden nahm man sich Zeit für das Thema Marketing für die eigene Praxis. Was ist erlaubt, was ist verboten und welche pfiffigen Ideen gibt es, sich bei den eigenen Patienten im Gedächtnis zu halten und eine positive Patientenbindung zu erreichen. Es gibt viele Praxen, die völlig unkenntlich bleiben und ihre Möglichkeiten einer positiven Bewerbung ihrer Leistungen außen vor lassen. Es geht auch nicht darum, die Patienten "zu Tode zu igeln", sondern sie gezielt auf besondere Leistungen hinzuweisen, die für die individuelle Gesundheit wichtig seien.

Viele Patienten vertrauen der gesetzlichen Gesundheitsversorgung nicht mehr und wollen mehr für sich tun als das, was die Krankenkassen zu finanzieren bereit sind. Schmidt stellte in ihrem Vortrag die ärztliche Berufsfreiheit in den größeren Kontext der gesellschaftlichen Freiheit. Sie warnte davor, dass unsere Gesellschaft auf dem Weg in eine Überregulierung ist und der Arzt sich hüten müsse, dass er aus Bequemlichkeit und Angst vor dem finanziellen Risiko seine Domäne der Selbständigkeit preisgibt.

Alles in allem, war die Veranstaltung ein gelungener Auftakt, der nach mehr verlangt - Ein exklusiver Kreis von Kolleginnen bildete die begeisterte Vorhut. Besonders den Wunsch der jungen Ärztinnen, nach neutraler Beratung und Begleitung beim Aufbau der eigenen Praxis ist dem BFAV Arbeitsauftrag für eine Folgeveranstaltung. Das angedachte Wirtschaftsseminar "MedExpedere" sollte mit Nachdruck weiter verfolgt werden, denn es gibt hier eine echte Marktlücke!

Kategorie: Allgemein

Mitgliederbereich

Mit E-Mail und Passwort anmelden:

BFAV Newsletter