15.03.2017

»Allzeit bereit?«

Dr. Astrid Schmidt, VV-Delegierte

Reformstau? Nein Danke! Mit insgesamt neun Anträgen wollen die sechs Delegierten des bayerischen Facharztverbandes für die niedergelassenen Kollegen in der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns die zukünftige Arbeit des Gremiums anschieben. Im Mittelpunkt steht dabei "der Kampf um feste und angemessene Preise und die Förderung und Gleichstellung der fachärztlichen Grundleistungen mit anderen extrabudgetären Leistungen“ betont der BFAV-Vorsitzende und Orthopäde Dr. Wolfgang Bärtl aus Neumarkt/Opf.

So wird der Vorstand der KV Bayerns aufgefordert, einen Finanzplan für den bayernweiten Rollout der Bereitschaftsdienstreform zu erstellen. Insbesondere sollen anhand der Hochrechnungen aus den Ergebnissen der Pilotregionen die Aufwände für den vorgesehenen professionellen Fahrdienst, die Ausstattung und den Betrieb der geplanten Bereitschaftsdienstpraxen an den Krankenhäusern und die notwendigen finanziellen Mittel für den vorgesehenen Aufkauf von derzeit noch privat geführten Bereitschaftspraxen ermittelt werden. Weiter soll die Auslastung des Fahrdienstes und des Sitzdienstes überprüft und mit einem Beschwerdemanagement Mängeln abgeholfen werden.

Teurer Pool?
Der BFAV will weiter in Erfahrung bringen wie viele Dienste von Poolärzten abgedeckt werden. "Gibt es Anhaltspunkte für einen "grauen Markt" im Poolarztsystem?" Gibt es Anhaltspunkte, dass ein bayernweiter Rollout in der geplanten Form zu Problemen in der Sicherstellung des Bereitschaftsdienstes ergeben könnte, so die Fragen der Facharzt-Basis an den KV-Vorstand. Darüber hinaus sollen auch die Kosten für das Poolarztsystem, die Kosten der Gedikom für die Vermittlung von Poolärzten und die Organisation der Bereitschaftspraxen und die Personalkosten offengelegt werden. Dabei sind auch die versteckten Kosten innerhalb der Selbstverwaltung einzubeziehen, die durch organisatorischen Aufwand entstehen. Mit diesem Zahlenwerk aufmunitioniert, könnte der KVB-Vorstand, in Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen eintreten.

Best-practice
Wie bereits in der Vertreterversammlung im November 2016 vorgeschlagen, soll eine Sonder-Vertreterversammlung zeitnah erfolgen, bei der besondere Modelle der Patientenversorgung aus ärztlicher Initiative mit kommunalen oder klinischen Partnern vorgestellt werden, um daraus best-practice-Beispiele und Modellprojekte zu entwickeln. Die Politik wird aufgefordert mit der KVB solche Projekte zu fördern. Das BFAV-Mitglied und VV-Delegierte Dr. Astrid Schmidt greift damit den Vorschlag der VV aus dem November 2016 erneut auf. Weiter will der BFAV den KVB-Vorstand beauftragen, in den Honorarverhandlungen mit den Kassen die Vergütung der fachärztlichen Grundversorgung über die PFG hinaus nachhaltig zu stärken, um die im Neubauer-Gutachten aufgezeigten Defizite auszugleichen. Ziel sei es Fallwerte zu erreichen, um auch in konservativ ausgerichteten Praxen in ländlichen Regionen bzw. in sozialen Brennpunkten von Zentren ohne massive Quersubventionen durch Privateinnahmen ein angemessenes Arzteinkommen erzielen zu können. "Dazu muss die Pauschale zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung in Bayern auch weiterhin unbudgetiert zu vollem Punktwert ausbezahlt werden", wirbt das früherer KVB-Vorstandsmitglied, die Internistin Dr. Ilka Enger um Zustimmung.

Versorgungslücken
Bereits heute sei die Unterversorgung für HNO, Augen und Hautärzte im Norden Realität und drohende Unterversorgung für den Osten Bayerns die Zukunft. Flankierend soll dazu die Vertreterversammlung der KVB im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahlen sich klar für den Erhalt des dualen Krankenversicherungssystems in Deutschland einsetzen, damit die freie ärztliche Berufsausübung in unabhängiger freier Niederlassung weiterhin das grundlegende Prinzip der ambulanten Gesundheitsversorgung bleibt," so fordert BFAV-Vorstandsmitglied Gernot Petzold klare Ansagen an die Politik. Die fachärztlichen Bereitschaftsdienste der Kerngruppen (Gynäkologie, Ophthalmologie, HNO, Orthopädie-Unfallchirurgie und Kinderheilkunde) seien zu erhalten und bei Bedarf auszubauen. Weitere fachärztliche Bereitschaftsdienstgruppen müssten ebenfalls erhalten bleiben, wenn für sie eine Notwendigkeit bestehe. Unabdingbar sei eine psychotherapeutische - zumindest telefonische - Rufbereitschaft, um der Zunahme psychotherapeutischer Not- und Krisenfälle zu begegnen.

Kategorie: BFAV

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