19.07.2016
Von: von Peter Jung, Gynäkologe

Fachärztlicher Notdienst in Not! BFAV kämpft für den Erhalt der fachärztlichen Notdienste

Dr. med. Peter Jung, Gynäkologe/Notarzt, Haßfurt

Mit der flächendeckenden Einführung von Bereitschaftsdienstpraxen an den Krankenhäusern, sehen sich immer mehr fachärztliche Bereitschaftsdienstgruppen unter Druck gesetzt, ihre fachärztliche Kompetenz aufzugeben und sich in die allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienste zu integrieren. Der Bayerische Facharztverband (BFAV) setzt sich für den Erhalt ein.

 

Zum Hintergrund:

Ausdrücklich gilt nach der KVB-Bereitschaftsdienstordnung vom 12.03.2016 gemäß §7 für fachärztliche Bereitschaftsdienste folgende Regelung:

(1) Solange und soweit ein entsprechender Sicherstellungsbedarf besteht, kann die KVB Fachärztliche Bereitschaftsdienste für die Fachgruppen der Augenärzte, Chirurgen/Orthopäden, Frauenärzte, HNO-Ärzte und der Kinder- und Jugendärzte einrichten. Diese können unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten mehrere Bereitschaftsdienstbereiche umfassen. Andere Fachärztliche Bereitschaftsdienste können im Benehmen mit den betroffenen Allgemeinen Ärztlichen Bereitschaftsdienstgruppen eingerichtet werden, solange und soweit ein Sicherstellungsbedarf hierfür besteht. (…)

Die Folgen:

Mit dieser Neuregelung werden bestehende und gut funktionierende fachärztliche Bereitschaftsdienstgruppen in vielen Regionen Bayerns faktisch zerschlagen und genötigt, ihre Fachkompetenz aufzugeben um künftig verpflichtenderweise in neuen Bereitschaftdienstpraxen fern der eigenen Praxis zu arbeiten. Gerade für Facharztgruppen in der Grundversorgung ist der Dienst in der eigenen Praxis, in welche viel Kapital, Zeit und Expertise investiert wurde, eine grundlegende Voraussetzung für eine fachgerechte Behandlung.

Nachdem der Gesetzgeber mit dieser Änderung zentrale Bereitschaftsdienstpraxen an den Krankenhäusern den niedergelassenen Praxen aufoktroyiert hat, verbleibt der KVB nur mehr die Aufgabe „Fahr- und Sitzdienst“ einzuteilen oder dies entsprechend zu delegieren.

Leider muss festgestellt werden, dass sogenannte Betreibervereine – zum Teil als Instrument bestimmter ärztlichen Pressuregroups angelegt - nicht kooperierende Kollegen zum ausschließlichen Fahrdienst verpflichten- und vom sog. Sitzdienst in einer solchen Bereitschaftsdienstpraxis ausschließen.

Immer wieder kommt es vor, dass hilfesuchende Patienten von der zuständigen Stelle nicht an den entsprechenden fachärztlichen Dienst verwiesen werden, sondern einfach in die nächste BD-Praxis geschickt werden- obwohl ein fachärztlicher Dienst eingerichtet ist.

Der BFAV setzt sich dafür ein, dass Patienten auch zukünftig fachärztliche Expertise durch Augenärzte, Chirurgen / Orthopäden, Frauenärzte, HNO-Ärzte und Kinder- und Jugendärzte in Anspruch nehmen können und nicht in anonymen Bereitschaftsdienstpraxen zufallsbedingt an einen nicht optimal qualifizierten Bereitschaftsdienstarzt geraten - der infolge dessen diese Patienten dann umgehend ins nächstgelegene Krankenhaus der Grundversorgung einweisen werden.

Dieser bürokratische Unsinn kommt dem Gesundheitssystem teuer zu stehen und gefährdet ohne Not die Gesundheit der Patienten

Der BFAV kämpft dafür, dass auch weiterhin Facharztpraxen als zentrales strukturschaffendes Element im Notfall dem Patienten zur Verfügung stehen.

Der BFAV wird es nicht hinnehmen, dass bestimmte Arztgruppen eine wie auch immer geartete, nicht legitimierte „Verwaltungszwischenebene“ installieren und quasihoheitliche Aufgaben übernehmen.

Der BFAV setzt sich dafür ein, dass zumindest die Vergütung dieser Dienste für alle Beteiligten gleichmässig erfolgt. - und nicht wie zurzeit, die Ambulanzen der Kliniken einen bis zu vierfach höheren Betrag erhalten- der aus dem Budget der niedergelassenen Ärzte genommen wird.

Der BFAV kämpft, dass auch weiterhin Facharztpraxen als zentrales strukturschaffendes Element im Notfall dem Patienten zur Verfügung stehen.

Der BFAV fordert die Politik auf, den Patienten in die Eigenverantwortung zu nehmen, damit die fachärztlichen Notfalldienste, die Bereitschaftsdienstpraxen und nicht zuletzt die Klinikambulanzen nicht mit Bagatellfällen blockiert werden.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, KVB Wahl 2016