19.07.2016
Von: Dr. Wolfgang Bärtl, Orthopäde Neumarkt u. Ilka Enger, Internistin, Rgbg

EBM – Das muss jetzt kommen!

Dr. med. Ilka Enger, Internistin, Regensburg

Der EBM 2000 plus sollte das Jahrhundertwerk der Neuordnung der ärztlichen Honorare werden. Er setzte auf Pauschalisierung der ärztlichen Vergütung, stellte die Weichen für eine Bevorzugung der technokratischen Medizin und stellte insbesondere die Honorierung der wirklichen ärztlichen Kunst ins Abseits.

Dementsprechend gab selbst Dr. Andreas Köhler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der KBV zu, dass er zwar sieben Milliarden Euro mehr Honorar seit der EBM-Reform erwirtschaften konnte, aber diese Gelder vor allem in neue Leistungen und in hochspezialisierte und –technisierte Leistungen geflossen sind und die Grundversorgung in den Pauschalen auf dem Altar der Umverteilung geopfert wurde.

Raus aus der „RLV-Falle“

Auch die Unterteilung in Leistungen, die dem RLV unterliegen, andere, die als QZV einen privilegierteren Status genießen und solche die ganz frei außerhalb Budgets bezahlt werden, sorgt dafür, die ländlichen Praxen finanziell auszubluten. Gerade die Zuwendungsmedizin zahlt die Zeche dafür, dass wenige Spezialisten mit technischen Leistungen mehr Honorar erwirtschaften. Diese Entwicklung spielt den Klinik- und MVZ-Konzernen in die Hände, die diese technischen Leistungen in großer Stückzahl „produzieren“ und damit Gelder aus der „Regelversorgung“ ziehen.

Wer vor allem am Patienten arbeitet und sein Geld aus dem Regelleistungsbereich verdient, der wird budgetiert, leidet unter Fallzahl- und Vergütungsobergrenzen.

Wer jetzt noch sieht, dass der Bundesgesundheitsminister mit seiner Gesetzgebung den „Saugrüssel“ der Kliniken in die Töpfe der niedergelassenen Kollegen hält – und auch diese „Wohltaten“ gegenüber den Krankenhauskonzernen nicht aus den extrabudgetären Vergütungen, sondern allein aus der sog. morbiditätsbedingten Gesamtvergütung abgezweigt wird, weiß, dass es unabdingbar ist, in einer EBM-Reform die Grundleistungen zu stärken und verlässlich zu bezahlen. Denn davon profitieren alle. Diejenigen, die überwiegend Grundleistungen erbringen, aber auch die, die damit ihre spezialisierten Leistungen im Sinne der Patienten nur dort erbringen müssen, wo es wirklich sinnvoll ist. Auch das stärkt das Verhandlungsmandat für spezialisierte, innovative Leistungen

Grundleistungen stärken

Der BFAV hat sich mit seinen Delegierten in Berlin dafür eingesetzt, dass eine EBM-Reform in diesem Sinne vorangetrieben wurde.Ein positives Ergebnis ist die Pauschale für die fachärztliche Grundversorgung(PFG), die einen erster Schritt in die richtige Richtung darstellt. Allerdings wurde unter dem Einfluss so manchen Berufsverbandes das Volumen, welches für die Ausstattung der PFG vorgesehen war, deutlich reduziert. Sprach man zunächst von einem notwendigen Volumen für die PFG von zwei Milliarden Euro, so war nur Wochen später die Summe auf ca. 200 Mio. eingedampft und der Kreis der Empfänger auch noch verwässert worden.

In Bayern konnte der BFAV zusätzlich erreichen, dass die PFG – nicht wie in anderen Bundesländern – unquotiert ausgezahlt wird.

Aber auch hier gilt, dass es derzeit in den KBV-Gremien mehr „Aussitzer“ als „Einsetzer“ gibt, denn bereits vor einem Jahr wurde im Hinblick auf den KV-Wahlkampf die Arbeit am neuen EBM auf ein Minimum zurückgefahren. Und die EBM-Reform, die Ihre Probleme in der Praxis ernsthaft angehen sollte, wurde auf ein „Reförmchen“ reduziert, bei dem nur noch an einzelnen EBM-Ziffern geschönt wird.

Feste und angemessene Preise

Der BFAV will wir angemessene, feste Preise für die ärztliche Leistung. Das heißt, wir stehen für eine Auflösung der Pauschalen und eine Vergütung der ärztlichen Arbeit am Patienten. Mehr Geld für Zuwendungsmedizin.

Ihre Praxis braucht eine adäquate feste und angemessene Vergütung der Grundleistungen, die das Fundament für die weiteren fachärztlichen Kern- und Spezialleistungen und ein betriebswirtschaftlich sicheres Einkommen sein müssen.

Denn Ärztliche Leistung ist nicht in Pauschalen abbildbar, die auf einer Mischkalkulation beruhen, sondern beinhaltet eine umfassende individuelle Zuwendungsmedizin , die Sie Ihren Patienten anbieten.

Der sog. kalkulatorische Arztlohn muss einem Unternehmergehalt entsprechen und darf den selbständigen Arzt nicht in den Vergleich mit einem angestellten Oberarzt einer Klinik setzen. Das wird Ihrer hohen Verantwortung in der Praxis und dem unternehmerischen Risiko eines Selbständigen nicht gerecht.

… und zu guter Letzt: Der EBM muss eine Preisliste sein, die nicht durch Quotierung oder Obergrenzen um bis zu 30% reduziert werden kann – die Budgetierung, die vor 23 Jahren eigentlich nur befristet eingeführt wurde, aber bis heute fortgeführt wird, muß beendet werden!

Wirtschaftliche Attraktivität sichert Nachfolge

Unsere Praxen brauchen endlich wieder betriebswirtschaftliche Sicherheit, damit sie auch für die nachfolgende Ärztegeneration attraktiv wird Nur so wird der Arztberuf für Sie wieder zum „schönsten Beruf der Welt“ und nur so werden Sie Ihren Nachfolgern auch vorleben können, dass es sich lohnt, mit Leib und Seele Arzt zu sein.

Einsetzen statt Aussitzen – Wir tun was für Sie.

Kategorie: KVB Wahl 2016