02.06.2016

Klinikmanager setzen auf ambulante Erlöse

Dr. med. Wolfgang Bärtl, Orthopäde, Neumarkt

Unbestritten haben wir in Deutschland im internationalen Vergleich einen Überschuss von mindestens 20 % an Krankenhäusern bzw. an Betten. Trotz gesetzlicher Verpflichtung drücken sich die Verantwortlichen der Länder um die sog. duale Finanzierung der Krankenhäuser, d.h. dass die Investitionskosten von den Ländern zu tragen wären.

Vielmehr werden Investitionen über Fallzahlmehrungen, kürzere Verweildauern und Stellenabbau im pflegerischen Bereich querfinanziert All dies führt zu einer schlechteren Qualität, Ausweitung von Indikationen - wogegen der Gesetzgeber mit Feigenblattaktionen wie Zweitmeinungsverfahren Aktionismus betreibt - und zu einer Überforderung und Ausbeutung von Pflegekräften und Ärzten.
Sharhoulder-value der steigenden Zahl an privaten Kliniken rückt immer mehr in den Fokus!
Da die Zitrone im stationären Sektor nun wohl ausgelutscht ist, greifen die rein gewinnorientierten Klinikmanager nun nach dem ambulanten Sektor. Es wird nicht lange dauern, bis sie die lukrativen Rosinen dieses ohnehin unterfinanzierten und budgetierten Systems herausgepickt haben - mit dem Effekt, dass für die flächendeckende haus- und fachärztliche Grundversorgung nichts mehr übrig bleibt. So wird die Feigheit der Politik, endlich den überfälligen Abbau der Klinikbetten umzusetzen und Verantwortung für die duale Finanzierung der wirklich notwendigen Klinikbetten zu übernehmen unser ganzes Gesundheitssystem in den Abwärtsstrudel ziehen.

W.Bärtl, Orthopäde, BFAV

Kategorie: BFAV, BVNF