20.04.2016

Alles leistungsgerecht? Das Einmaleins ärztlicher Vergütung

Dr. med. Ilka M. Enger, Internistin, Neutraubling

Kommentar von Ilka Enger   EBM - HVM - PFG - GOÄ, das alles sind Abkürzungen hinter denen sich die Zumessung des ärztlichen Honorars (aus dem lateinischen für »Ehrensold«) versteckt. Genauso unverständlich wie die Abkürzungen, sind auch die Mechanismen, die sich hinter diesen Begriffen verbergen.

Inzwischen ist dieses System aus bundesweiten Regeln und regionalen Besonderheiten für die meisten Kollegen ein Buch mit sieben Siegeln, so dass sehr viele ihre Honorarabrechnungen nur noch Pi mal Auge betrachten und über den Daumen abschätzen, ob die Zahl genauso hoch ist wie im Vorquartal. Umso weniger fiel es in den letzten Jahren auf, dass sich da Verschiebungen ergeben haben, die schleichend die Honorare dezimierten. Es fiel auch deshalb nicht auf, weil man es sich angewöhnt hatte, bei sinkenden Honoraren noch stärker in das sog. Hamsterrad zu treten und für gleiches Geld einfach mehr Patienten zu behandeln.

Wir sind jedoch an dem Punkt angekommen, wo diese »Minutenmedizin« auch den Patienten zunehmend auffällt und die Zufriedenheit mit der ärztlichen Arbeit schwindet. Und damit befinden wir uns im Teufelskreis. Die Arbeit mit dem unzufriedenen Patienten erfüllt den Arzt weniger und der Patient wiederum bringt einem unzufriedenen Arzt weniger Vertrauen entgegen. Mutmaßt er doch, dass dieser ihm vielleicht Leistungen vorenthält, auf die man Anrecht zu haben glaubt.

Die Budgetierung, die weiland Horst Seehofer als Bundesgesundheitsminister eingeführt hatte, war der Auslöser für diese Abwärtsspirale der Unzufriedenheit, die inzwischen die medizinische Versorgung der Bevölkerung gefährdet. Es wäre daher an der Zeit, diese Budgetierung mutig abzuschaffen und durch ein Steuerungsinstrument in den Händen des Patienten, genannt »sozial abgefederte Selbstbeteiligung« zu ersetzen. In Anbetracht der Tatsache, wieviel versteckte Zuzahlungen der Patient, heute bereits zu leisten hat, würde hier eine Umsteuerung dieser Belastungen in ein transparentes System vermutlich einiges in unserem verkrusteten Gesundheitssystem aufbrechen helfen. Dazu braucht es allerdings mehr politischen Mut.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband