20.01.2016

»Terminservicestellen, teuer und sinnlos«

BVNF sieht die Einrichtung von Terminservicestellen als Polit-Placebo. Harsche Kritik gibt es von den niedergelassenen Fachärzten zum bundesweiten Start der Terminservicestellen(TSS). Damit werde den Patienten ein Angebot vorgegaukelt für ein Terminproblem, das mehrheitlich nicht existiere.

„Unnötig, teuer und realitätsfern!“ Unmittelbar vor dem Start der Terminservicestellen am kommenden Samstag weist der Bundesverband der niedergelassenen Fachärzte auf die Schwachstellen und Gefahrenpunkte der durch das Versorgungsstärkungsgesetz angeordneten Terminservicestellen hin. Für den BVNF-Sprecher Dr. Wolfgang Bärtl „sind es gerade Chroniker und multimorbide Patienten die im Bürokratiechaos der Terminservicestellen benachteiligt werden.“ Gegen jede wirtschaftliche Vernunft und ohne jede Not werde den Facharztpraxen von der Politik „eine weitere Zwangsjacke übergestülpt“, die niemandem nütze.

Lange Umwege
Dringende Termine bei Fachärzten wurden bislang durch die an der Basis gute Kooperation zwischen Haus - und Fachärzten auf dem " kurzen Dienstweg" mit dem Griff zum Telefon unbürokratisch gelöst. Nun sollen anonyme zwischengeschaltete Terminservicestellen die gefühlte Benachteiligung von Kassenpatienten beim Warten auf einen Facharzttermin bei dringenden Behandlungsanlässen heilen helfen. Wenn die Einrichtung dieser TSS und die  Vermittlung eines Facharzttermins mehr kosten werden, als die fachärztliche Untersuchung und Behandlung, dann stimmt die Relation zwischen Bürokratieaufwand und Effekt für die Versicherten nicht mehr, warnt Bärtl vor einer zusätzlichen Verschwendung von Versichertengeldern. Zudem sieht er die Gefahr, dass damit das wertvolle Gut, einen zeitnahem Wunschtermin bei seinem Wunsch-Facharzt zu bekommen, verloren gehen wird.

Kein Wunschtermin
Denn beides, Wunschtermin und Wunsch-Facharzt , sieht die Regelung zu Terminservicestellen nicht vor. Vielmehr werden zur Erfüllung der gesetzlichen Pflichten Termine vorgehalten werden müssen, die gerade den chronisch Kranken nicht mehr in ausreichender Zahl und zeitlicher Nähe angeboten werden können, denn die ärztliche Zeit ist begrenzt.

Da die Zahl der niedergelassenen Fachärzte gerade in der regionalen Grundversorgung sehr begrenzt und tendenziell rückläufig ist, hielte es Bärtl für zielführender, die Attraktivität für zusätzliche zeitnahe Facharzttermins über positive Anreizsystem zu stärken. Der BVNF-Chef sieht hierbei die Politik, Kassen aber auch die KV - en in der Pflicht. Er  verweist darauf, dass das deutsche Gesundheitssystem mit niedergelassenen Fachärzten trotz aller dirigistischen Eingriffe der vergangenen Jahrzehnte europaweit bislang noch immer über die effektivste und zeitnahe Patientenversorgung verfüge.

Eine bessere Patientenversorgung in strukturschwachen Gebieten könne nur durch eine Stärkung fachärztlichen Grundversorgung  erfolgen. „Mit Terminservicestellen wird weder mehr Zeit für Zuwendung geschaffen noch bekommt der Patient den Arzt seines Vertrauens befürchtet Bärtl .  Der Weg in eine anonyme unpersönliche Fließbandmedizin bringe niemandem etwas.

Kategorie: BVNF, Allgemein