23.01.2015

Praxissterben in Bayern?
Bundesgesundheitsminister Gröhe kam - die Skepsis blieb!

Auf Einladung des Wahlkreisabgeordneten MdB Alois Karl, CSU, besuchte der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe am vergangenen Mittwoch Neumarkt i.d. OPf. und stand dort in einer Diskussionsrunde des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV) den rund 130 anwesenden Haus- und Fachärzten Rede und Antwort.

»Schnellere Arzttermine, kürzere Wartezeiten und eine bessere Behandlung«, so verspricht es das neue Versorgungsstärkungsgesetz des Ministers, das in den nächsten Monaten in Kraft treten soll. Doch die Realität könnte anders aussehen. »Bayernweit würdennach heutigem Stand bis zu 4664 Praxen verschwinden, davon 314 in der strukturschwachen Oberpfalz«, befürchtet der Vorstand des BFAV und Orthopäde in Neumarkt Dr. Wolfgang Bärtl, wenn das Gesetz wie geplant in Kraft tritt. Bärtl sieht in dem Gesetzesentwurf »für die Patienten eine deutliche Verschlechterung und die Bedrohung, von einer freien Arztwahl in die Staatsmedizin abzurutschen.« Um dem Praxissterben und massiven Ärztemangel in Zukunft erfolgreich entgegen zu wirken, seien Vertrauen in die Politik, Verlässlichkeit und feste, angemessene Preise für ärztliche Leistungen notwendig, formulierte Bärtl seine Forderungen an die Politik.
Auch die Vertreter des Ärztenetzes in Neumarkt, der hausärztliche Internist Dr. Klaus Kubitschek und der Gynäkologe Dr. Werner Ecca sehen in der Gesetzesvorlage keine Notwendigkeit. »Wenn bei uns ein Patient einen dringenden Facharzttermin benötigt, dann bekommt er diesen schnell und unbürokratisch nach medizinischer Dringlichkeit, das haben wir bisher stets von Arzt zu Arzt so geregelt«, so Dr. Kubitschek.  Sein Kollege Dr. Ecca mahnte den unnötigen Bürokratismus und die zusätzlichen Kosten an, die durch das neue Gesetz, zu Lasten der Patienten, entstehen würden. »Durch das geplante Gesetz werde die medizinische Versorgung der Patienten verschlechtert und die Freiberuflichkeit des niedergelassenen Facharztes entsorgt«, so der Tenor der Ärzteschaft.
Mit den Bedenken der Ärzteschaft konfrontiert, erläuterte der Minister seine Sichtweise zum Gesetzentwurf. Er nehme die Sorgen der Ärzte ernst, sehe jedoch in dem Versorgungsstärkungsgesetz eine Verbesserung für die Patienten, »nämlich die Garantie mit Hilfe der noch einzurichtenden Servicestellen innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen«. Gröhe stellte dabei klar, dass es sich hierbei nicht um einen Termin bei freier Arztwahl handle, sondern dass dieser auch in einer Klinik sein kann. Die Zwangsaufkauf-Regelung verteidigte er mit dem notwendigen Ausgleich zwischen Unter- und Überversorgung. Dabei würde es nicht um Zentralismus aus Berlin, sondern um kluge Entscheidungen  in der Region mit Blick auf  die jeweilige Versorgungslage gehen.
Trotz dieser Bekenntnisse des Ministers blieben bei den Ärzten Zweifel, befürchten sie doch gerade für Bayern ein überdurchschnittliches Praxissterben zu Lasten der regionalen Versorgung. Dies wäre den Bürgern  im Land kaum vermittelbar, zahlen doch heute schon die bayerischen Versicherten im Sinne eines »zweiten Länderfinanzausgleiches«  knapp 2 Mrd mehr in den Gesundheitsfonds ein, als sie an Leistungen wieder nach Bayern zurückbekommen.
Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl, versicherte, dass das Gesetz in den nächsten Monaten noch diskutiert werde. Niemand wolle einen Kahlschlag der Ärzteschaft, so Karl. Bärtl gab Gröhe die Bitte mit auf den Weg, die Sorgen der Ärzte sehr ernst zu nehmen. Der Verband hofft nun auf notwendige Nachbesserungen und wird die Entwicklung mit angemessener Skepsis verfolgen.

Kategorie: Allgemein, BVNF