19.01.2015

Praxissterben stoppen!

Bundesgesundheitsminister Gröhe kommt zur Diskussion nach Neumarkt! Schnellere Arzttermine, kürzere Wartezeiten und eine bessere Behandlung? So verspricht es das neue Versorgungsstärkungsgesetz. Doch die Realität sieht anders aus. Bayernweit werden 4664 Praxen, davon 314 in der strukturschwachen Oberpfalz verschwinden, wenn das Gesetz wie geplant umgesetzt wird. Welche konkreten Auswirkungen hat das »Gröhe-Gesetz« für die ambulante Behandlung der Patienten die Zukunft des niedergelassenen Arztes in der Region? Gibt es statt freier Arztwahl und Freiberuflichkeit bald Staatsmedizin? Beim Fachgespräch am 21.01.2015 im Ärztehaus Neumarkt steht der Bundesgesundheitsminister persönlich Rede und Antwort.

Auf Vermittlung des Wahlkreisabgeordneten Alois Karl, MdB besucht Gesundheitsminister Hermann Gröhe Neumarkt. Im Rahmen dieses Besuches  möchte der Bayerische Facharztverband und das Ärztenetz Neumarkt seinen Mitgliedern die Möglichkeit zum Dialog mit dem Minister eröffnen, der federführend für das  geplante Versorgungsstärkungsgesetz verantwortlich zeichnet.
Konkret geplant ist, dass künftig Terminservicestellen, eingerichtet bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KBV), Patienten innerhalb von 4 Wochen nach Überweisung durch einen Hausarzt einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Soweit dies nicht machbar ist gibt es eine Behandlung im Krankenhaus auf Kosten der niedergelassenen Ärzte. Gleichzeit sollen deutschlandweit 25.000 Arztpraxen in sogenannten überversorgten Gebieten mittels Zwangsaufkauf eingezogen werden.
»Die Kombination von noch schnelleren Facharztterminen und dem gleichzeitig geplanten Zwangsaufkauf zigtausender von Arztpraxen stellt einen unauflöslichen Widerspruch dar und demaskiert dieses Gesetz als Instrument, die Freiberuflichkeit und Eigentumsrechte der niedergelassenen Ärzte zu Gunsten einer kassen - und konzerngesteuerten Staatsmedzin abzuwickeln,« umschreibt Dr.Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des bayerischen Facharztverbandes und niedergelassener Orthopäde in Neumarkt, die brisante Situation als  »Ärzteentsorgungsgesetzes«. Die Versorgung der Patienten werde sich  damit »eher verschlechtern denn bessern «, so seine Befürchtung.
»Die Kooperation funktioniert bisher ohne bürokratische Einschmischung«, so  kritisiert Dr. Klaus Kubitschek, Vorsitzender des Ärztenetzes Neumarkt die Einrichtung von zentralen ortsfernen Terminservicestellen. »Termine werden nach medizinischer Dringlichkeit und nicht nach Wartezeit vergeben.«
»Die geplante Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung, bedeute eine kostenintensive Bevorzugung des stationären Sektors auch hinsichtlich der ambulanten spezialärztlichen Versorgung, MVZ`s in kommunaler Hand aber insbesondere auch die Ausweitung der Regressmöglichkeiten auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, Überweisungen und Krankenhauseinweisungen bedeuten weitere, massive Angriffe dieses Gesetzes auf unsere Freiberuflichkeit und werden unseren Nachwuchs von der Niederlassung abhalten,« geißelt Dr. Werner Ecca, 2. Vorsitzender des Ärztenetzes Neumarkt und niedergelassener Facharzt für Gynäkologie aus Neumarkt dieses »facharztfeindliche« Gesetzesvorhaben.
Die Ärztevertreter hoffen,  dass im offenen Fachgespräch am 21.01.2015 mit Bundesgesundheitsminister Gröhe in einem konstruktiven Dialog die Sorgen und Bedenken ausgeräumt und notwendige Nachbesserungen in das noch laufende Gesetzgebungsverfahren eingearbeitet werden können.

Kategorie: Allgemein, Veranstaltungen