27.07.2014

Zaghafte Gesundheitspolitik und ihre Folgen – Die nackten Tatsachen

Selbstbedienungsmentalität zerstört die Solidarität ... und die Gesundheitspolitiker schweigen

„Es muss an einer solidarischen Absicherung des Einzelnen vor großen Krankheitsrisiken festgehalten werden“, zitiert Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bundesverbandes niedergelassener Fachärzte (BVNF), den vormaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Dabei könne die Selbstbeteiligung „ein Instrument sein, die Krankenversicherung vor übermäßiger Inanspruchnahme zu schützen“. Auch die Deutsche Bundesbank empfiehlt topaktuell Kostenerstattung und mehr Eigenbeteiligung und damit Eigenverantwortung der Versicherten.
Einzig unsere Gesundheitspolitiker stecken verantwortungsscheu den Kopf in den Sand und sind zu feige, den Bürgern die nackte Wahrheit darüber zu offenbaren“, kritisiert der Orthopäde aus der Oberpfalz. „Stattdessen werden immer neue untaugliche Vorschläge gemacht, um die Probleme zu verschleiern und sich politisch aus der Verantwortung zu stehlen“.


Einerseits wird durch die neue Beitragsregelung mit Einzug der Zusatzbeiträge vom Lohn und durch immer neue Auf- und Zuzahlungen den Bürgern inzwischen klammheimlich das Geld für die ausufernde Gesundheitsbürokratie und -verwaltung aus der Tasche gezogen.

Auf der anderen Seite hat die „Chipslette“ der gesetzlich Krankenversicherten (elektronische Gesundheitskarte) bei Fallwerten von 25-40 Euro für die Behandlung eines Patienten pro Quartal in der Grundversorgung den Wert als „Bezugsschein“ für eine ausreichende - geschweige denn gute - medizinische Versorgung längst verloren.

Das haben v.a. Krankenkassen und die Politiker zu verantworten, die im Namen der Kostendämpfung einem harten Preisdumping Tür und Tor geöffnet und es zum führenden Prinzip im Gesundheitswesen ausgerufen haben. Der Weg aus diesem Dilemma führt aber keinesfalls über eine „ordre de mufti“, wie sie momentan von Herrn Gröhe mit der Wartezeitendebatte angezettelt wird und die von den eigentlichen Problemen ablenkt bzw. diese sogar verschärfen wird.

Zwangstermine für Fachärzte, die dort, wo man sie braucht, nicht vorhanden sind, Öffnung von Krankenhäusern in den Regionen für fachärztliche Versorgung, wo es die erforderlichen Ärzte - geschweige denn Fachrichtungen in den Krankenhäusern - nicht gibt und niemals geben wird, sind teure und bürokratische Augenwischerei ohne Wirkung auf die eigentliche Misere des deutschen Gesundheitswesens.

„Die Kliniken wehren sich heute schon gegen das defizitäre Geschäft in den Notfallpraxen, das durch die "Gröhe-Sprechstunde" getoppt wird“, warnt der BVNF-Vorsitzende vor einer Fortführung der „Vogel-Strauß-Politik“.

Kategorie: BVNF, BFAV