11.07.2014

Notfallbehandlung - „Gleiches Geld für gleiche Leistung“

Die Unterfinanzierung des Gesundheitssystems wird immer evidenter

Ob Kliniken oder ärztlicher Bereitschaftsdienst – das zur Behandlung von Notfallpatienten bereit stehende Geld reicht bei beiden Versorgungsformen nicht aus. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. "Die Kliniken sind damit in der Realität der Vergütungen im ambulanten Versorgungsbereich angekommen und klagen zu Recht“, so nimmt Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bayerischen Facharztverbandes, den Ball auf. „Es ist nicht möglich einen Notfallpatienten für 33 Euro adäquat zu versorgen – und zwar für keinen Arzt, der Bereitschaftsdienst leistet.“

Bisher war das Minusgeschäft mit den Notfallpatienten bei den Kliniken noch dadurch zu decken, dass man damit natürlich auch „lukrative“ Patienten für die stationäre Aufnahme fand. Nun aber sind die Ströme an den Bereitschaftsdienstärzten vorbei in die Kliniken kanalisiert worden und es wandern mehr Patienten, die sich als Notfall sehen, direkt in die Klinikambulanzen.

„Das ist wie bei einer Flussbegradigung in Zeiten von Hochwasser,“ sagt Bärtl. „Da brechen die Dämme und richten entsprechenden Schaden an – das passiert momentan auch bei der unbegrenzten Inanspruchnahme von Notfallleistungen. Da hilft dann nur, mehr Geld für den Hochwasserschutz zu investieren.“

Die ambulante Behandlung von Not- und Unfällen ist seit langem defizitär. Während aktuell die Kliniken in Bayern trotz unbudgetierter Einzelleistungsvergütung über Verluste in der ambulanten Versorgung klagen, müssen Notfälle bei den Niedergelassenen während der üblichen Sprechzeiten ohne zusätzliche Vergütung innerhalb der ohnehin schon mickrigen Budgets mitbehandelt werden.

Auch außerhalb der Sprechzeiten erzielen die Niedergelassenen trotz höherer Kosten, wie Wegegelder bei Hausbesuchen und fehlende staatliche Investitionsförderung, keine höheren Vergütungen, so die Feststellung des BFAV-Sprechers.

Nach dem Grundsatz „gleiches Geld für gleiche Leistung“ müsse die Behandlung aller Notfälle - sowohl im ambulanten Versorgungsbereich als auch an den Notfallambulanzen der Kliniken - besser und extrabudgetär vergütet werden, um die Versorgungsansprüche der Versicherten befriedigen zu können. „Dabei kann und darf es nicht die Aufgabe der behandelnden Ärzte sein, über den Tatbestand eines Notfalles zu entscheiden, da dieser primär individuell nur vom Patienten definiert werden kann“, fordert Bärtl die Politik auf, endlich zu handeln.

Gleichzeitig erinnert Bärtl auch daran, dass die Notfallversorgung nur die Spitze des Eisbergs eines insgesamt über Jahre unterfinanzierten Gesundheitssystems mit allen seinen Folgen ist.

Kategorie: BFAV