16.02.2011

Ländliche Unterversorgung: Bayerischer Facharztverband schlägt Alarm und unterbreitet Lösungsvorschläge

Der Bayerische Facharztverband (BFAV) als neue standespolitische Kraft der Fachärzteschaft im Freistaat warnt in einem offenen Brief an die Mitglieder des Bayerischen Gemeindetages:

»Zahlen die Kommunen die Zeche für die Fehler einer sozialistischen und zentralistischen Gesundheitspolitik in Berlin?«

In der Tat wären die Zahlen alarmierend: Auch in ländlichen Regionen Bayerns, wie z.B. der Oberpfalz, seien bereits 61% der Hausärzte und 54% der Fachärzte über 50 Jahre alt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechne deutschlandweit bis zum Jahr 2020 mit einem Mangel von über 50.000 Ärzten in der ambulanten Versorgung – eine Entwicklung, welche die strukturschwachen ländlichen Räume hart treffen werde. Bereits jetzt schon erfordere es z.T. empfindliche finanzielle Opfer bei den klammen Kommunen, um eine Nachbesetzung frei werdender Arztsitze durch finanzielle Anreize zu fördern und nicht über das Wegbrechen der medizinischen Versorgung in einen weiteren strukturellen Abwärtsstrudel zu geraten.

Nach Ansicht des BFAV gelte es anstatt planwirtschaftlicher  Sanktionen, wie in Berlin angedacht,  jetzt  durch positive Anreize die Attraktivität der Niederlassung zu steigern. Wichtigste Bedingung hierfür seien Planungssicherheit und Verlässlichkeit der gesetzlichen Rahmenbedingungen für niederlassungswillige Ärzte sowie ein leistungsgerechtes, transparentes und nachhaltiges Vergütungssystem.

Die Patientinnen und Patienten in Bayern, so der BFAV, hätten verstanden, dass es zukünftig für begrenztes Geld auch nur begrenzte Leistungen geben kann. Sie  hätten aber kein Verständnis dafür, dass ihre in Bayern erwirtschafteten überdurchschnittlich hohen Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung – zentralistisch von Berlin aus gesteuert – über den Gesundheitsfonds im Sinne eines zusätzlichen Länderfinanzausgleichs abwandern – allein in den Jahren 2009 bis 2011 rd. 1,7 Milliarden Euro – während für die Versicherten in Bayern grotesker Weise weniger Mittel  zurückfließen als im Bundesdurchschnitt. Dabei errechne der »Schätzerkreis« für 2011 einen Überschuss des Gesundheitsfonds in Milliardenhöhe.

Der BFAV hat dem, darüber zunehmend in die Bredouille geratenen, bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder bereits ein innovatives Versorgungsmodell vorgelegt: das »Gesundheitsmodell Bayern«.  Kernelement dieses Modells ist ein intelligentes System der Kostenerstattung. Mit Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung und der Kommunen könnten sehr rasch zunächst in Modellregionen und später flächendeckend diese Versorgungsformen umgesetzt werden, so Dr. Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bayerischen Facharztverbands.

Unterstützung dafür gibt es auch aus der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), wo Haus- und Fachärzte künftig eng zusammenarbeiten werden, wie die neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVB, Dr. Ilka Enger versichert: »Wir haben Herrn Minister Söder unsere Vorschläge dazu auf den Tisch gelegt und die betroffenen Bürgermeister und Landräte zum Dialog eingeladen«, so Dr. Ilka Enger, welche nach ihrer Wahl in den Vorstand der KVB ihr bisheriges Amt als Vorsitzende des Bayerischen Facharztverbands demnächst niederlegen wird.