04.02.2011
Von: Hartwig Kohl, BFAV, Bezirkssprecher Mittelfranken

Ein Monster namens AKR

Ungeachtet der vielfältigen Kritik derer, die am Praxistest der neuen AKR(= ambulante  Kodier-Richtlinien) in Bayern teilgenommen haben, halten Köhler und Co. unbeirrt  an dem Monstrum der neuen Kodier-Richtlinien fest.

Generell ist gegen eine Diagnosenkodierung nichts einzuwenden, haben wir uns doch längstens daran gewöhnt.
Doch warum reichen die jetzigen Kodierregeln nicht mehr aus?  Was ist passiert? ?Wir müssten das machen, um die Morbidität in der Tiefe darzustellen?, sagt man uns, ?damit man die Geldströme dahin lenken könne, wo sie entsprechend der so dargestellten Morbidität hingehören.? Aha! Bisher wurden wir mit dem Argument ?gelockt?, dass die Geldströme dorthin flössen, wo ordentlich kodiert wird. Nun wurde diese Argumentationskette mal eben gedreht, und es würde nicht einmal mehr der klägliche Honorarrest ankommen, den wir derzeit überwiesen bekommen, wenn wir nicht die AKR anwenden. Sogar der ein oder andere Berufsverband bläst in dieses Horn.

Fakt ist, dass weder Patient noch Arzt irgend etwas von diesen AKR haben. Im Gegenteil: der Arzt hat weniger Zeit für die Patientenbehandlung, da die Anwendung der AKR zwischen 30 und 60 Minuten mehr Zeitaufwand täglich erfordert. Täglich, wohlgemerkt! Ausschließlich die Kassen sind es, die via Kodiertiefe und Morbi-RSA  mehr aus dem Fonds abschöpfen können. Die Verwaltungsarbeit hierfür sollen ein weiteres Mal die Ärzte übernehmen, kostenlos und zusätzlich, neben ihrer ärztlichen Arbeit, die von Bürokratie ohnehin überbordet.
Und die Mähr von mehr oder weniger Honorar, glauben bayerische und deutsche Kassenärzte schon lange nicht mehr. Das ärztliche Honorar kennt seit Jahren nur eine Richtung: steil nach unten.  QM, ICD, Rilibäk, Hygiene, usw?? haben nicht zur Verbesserung der Honorarsituation beigetragen, alles Augenwischerei, alles nur Täuschung.  

Die  AKR gehören weg, wie alle Monster. Kein Mißbrauch medizinischer Diagnosen-Kodierung für die Steuerung von Geldströmen im intransparenten deutschen Gesundheitswesen! Für die bürokratischen Folgekosten des Gesundheitsfonds sollen die Verursacher und Nutznießer einstehen. Wir Ärzte brauchen eine ehrliche Bezahlung unserer tatsächlich erbrachten Leistungen durch Kostenerstattung ohne Budgetierung.  

Der BFAV fordert hiermit die Verantwortlichen in KVB und KBV auf, die Einführung der AKR zu stoppen.  Des weitern fordert der BFAV die KVB und alle Mitglieder der KVB auf, sich an der Bundestagspetition zum Stopp der AKR zu beteiligen.