02.02.2011
Von: Wolfgang Bärtl

»Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang«

Dieses Zitat von Konrad Adenauer, das sich der neugewählte Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung als Leitspruch ausgewählt hat, will ich gerne aufnehmen. 
Es ist kaum  ein Jahr her, dass sich die Mitglieder des Bayerischen Facharztverbandes in einer demokratischen Grundsatzdebatte mit überwältigender Mehrheit für den Weg in und durch die Instanzen entschieden haben und zur Wahl der KVB angetreten sind. In einem harten, von unserer Seite aber stets fair und offen geführten Wahlkampf gelang es unter tatkräftiger Mithilfe unserer Mitglieder  - aber bestimmt auch wegen der überzeugenden Argumente - aus dem Stand mit 5 Vertretern in die KVB einzuziehen.
Unser Dank geht an alle, die zu diesem Erfolg beigetragen haben, ganz besonders natürlich an unsere »Bayerische Löwin« Ilka Enger. Nun gilt es, die errungenen strategischen Positionen zur Durchsetzung unsere Ziele, allen voran den Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit als Garant für die gute Versorgung unserer Patienten  und ein leistungsgerechtes, unbudgetiertes Vergütungssystem im Sinne der Kostenerstattung, zu nutzen! Ein großer Wermutstropfen für den Verband ist der nun angekündigte Rücktritt unserer Vorsitzenden, die wir im »Bayerischen Löwenkäfig« mit einem lachenden und einem weinende Auge zurücklassen mussten. Dort wird sie aber bestimmt den Zielen unseres Verbandes am meisten förderlich sein.

Neben Ilka  Enger als Vorstandsmitglied der KVB konnten wir weitere strategisch wichtige  Positionen mit Vertretern des BFAV besetzen. Mit Dolf Hufnagl übernimmt einer unserer Vorstände das Amt des 2. stellvertretenden Vorsitzenden der Vertreterversammlung der KVB. Mir wurde die Aufgabe zugeteilt, die Interessen als Bundesdelegierter der KVB in Berlin zu vertreten. In immerhin 3 Regierungsbezirken Bayerns werden Mitglieder unseres Verbandes als regionale Vorstandsbeauftragte für den fachärztlichen Versorgungsbereich fungieren und entscheidende, beratende Fachgremien wurden mit unseren Mitgliedern besetzt.
Mit diesem Wahlergebnis kam es zu einer grundlegenden Umwälzung innerhalb der KVB, wobei nahezu alle Postionen neu besetzt wurden. Es ergibt sich daraus die einmalige Chance für einen Neubeginn, die es zu nutzen gilt!

Damit steht aber auch unserem Verband eine Veränderung und  Neu-Ausrichtung bevor, die wir  zeitnah angehen müssen. Unser Verband ist aus der Position einer »Protest- und Oppositionspartei« in die Funktion einer »Regierungspartei« gewechselt. Dabei ist uns aber bewußt, dass die Handlungsspielräume innerhalb der KV durch die rechtlichen Vorgaben begrenzt sind. Daher muss die Arbeit des BFAV als Vertretung der bayerischen Fachärzte unabhängig von der KVB gestärkt werden.

Es liegen große Herausforderungen vor uns, denen wir uns stellen wollen. Wir wissen: Die Bäume werden nicht gleich in den Himmel wachsen. Dennoch sind wir überzeugt, dass wir mit einer breiten Unterstützung unserer Mitglieder viel erreichen können. Dazu  bedarf es  jetzt vorrangig erkennbare Zeichen unserer Handschrift.
Die Interessen der niedergelassenen Ärzte müssen wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Intelligente Modelle der Kostenerstattung sollen vorangetrieben und umgesetzt werden. Wir erwarten von der KVB rasch eine offizielle Unterstützung der Petition gegen die Umsetzung der AKR in der jetzigen Form und kompetente, serviceorientierte Ansprechpartner in den Regionen vor Ort. Um diesen Bestrebungen den erforderlichen Nachdruck aus der Basis zu verleihen, ist ein zahlenmäßiges Wachstum unseres Verbandes dringend erforderlich. Mit dem zu erwartenden Rücktritt von Ilka Enger stehen unserem Verband Neuwahlen des Vorstands ins Haus. 
Wir müssen die anstehende Voll-Versammlung mit Vorstandswahlen  dazu nutzen, den kämpferischen Impetus des BFAV für unsere Freiberuflichkeit und den Erhalt unserer Praxen - trotz des schmerzlichen Verlusts von Ilka Enger - zu bewahren und weiter voranzutreiben, und die inhaltlichen und strategischen Weichen für die nächsten 4 Jahre zu stellen.

Für den Vorstand des Bayerischen Facharztverbandes  

Wolfgang Bärtl, Vorsitzender