08.01.2011
Von: Hartwig Kohl / Ilka M. Enger

An ihren Taten soll man Sie erkennen - GKV-Spitzenverband torpediert die ambulante Versorgung der Versicherten

?Die Versicherten werden mit warmen Versprechungen eingewickelt, aber gleichzeitig gefährdet der GKV-Spitzenverband eiskalt die ambulante Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten,?  beklagt Dr. Hartwig Kohl, mittelfränkischer Bezirkssprecher des Bayerischen Facharztverbandes.

 ?Einerseits fordert die Politik und auch die Krankenkassen immer wieder das Prinzip ?ambulant vor stationär?, ergänzt die Vorsitzende des Bayerischen Facharztverbandes, Dr. Ilka Enger. ?Aber wenn es dann um die Umsetzung dieses wahrlich kostensparenden Prinzips geht, dann wird am falschen Ende gespart und die ambulante Versorgung der Patienten immer weiter erschwert.?

 Die beiden Mitglieder des Bayerischen Facharztverbandes sind aufgebracht, weil der  Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gegen Beschlüsse des gemeinsamen Bewertungsausschusses (gBA) zur Förderung ambulanter und belegärztlicher Operationen sowie geburtshilflicher und bestimmter internistischer Leistungen durch Zuschläge geklagt hatte.  Das Landessozialgericht  Berlin-Brandenburg hat dieser  Klage jetzt stattgegeben, so dass die Fördermittel, die nach den Vorgaben des BMG  zur Aufrechterhaltung der entsprechenden vertragsärztlichen  Versorgung erarbeitet wurden, nun rückwirkend gestrichen werden, was zu erheblichen Rückforderungen  an die betroffenen Ärzte führt.

 ?Dies bringt die ambulanten Operateure in eine prekäre Situation,? erklärt Wolfgang Bärtl, ebenfalls Vorsitzender des BFAV. ?Viele operative Leistungen können nun ambulant  nicht mehr kostendeckend erbracht werden und müssen so in den teureren stationären Bereich verlagert werden. Kostenbewusstsein sieht für mich anders aus.?

?Und nicht nur das,? ergänzt Enger. ?Durch die Lippenbekenntnisse ?ambulant vor stationär?, die von den Krankenkassen als Marschrichtung für die Zukunft  festgelegt wurden, haben die ambulanten Operateure ? auch durch gesetzliche Regelungen gezwungen ? technisch aufgerüstet und bleiben auf diesen Kosten natürlich ebenfalls sitzen. Die Lage der ambulant operierenden Kollegen spitzt sich dadurch noch dramatischer zu.?

 Hiermit würde erneut  eindrucksvoll demonstriert, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen  - ob nun bewusst oder durch versorgungspolitische Ahnungslosigkeit  - den Rückbau und die Austrocknung der ambulant-medizinischen Versorgung durch die in freier Praxis niedergelassenen Ärzte betreiben.

 ?Dieses Verhaltensmuster  der gesetzlichen Krankenkassen trat in den letzten Wochen und Monaten immer wieder zu Tage,?  erklärt Kohl. ?Es  zeigt sich, dass nicht nur den Hausärzten die Basis für eine vernünftige, verantwortungsvolle und ethisch vertretbare Patientenversorgung entzogen werden soll, sondern dass auch die niedergelassenen Fachärzte nicht minder bzw. in noch weitaus erheblicherem Ausmaß betroffen sind.?

 Am Ende sind jedoch die Patienten die Leidtragenden, die durch diese Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen eben nicht optimal betreut werden können, wie dies von den gesetzlichen Krankenkassen immer wieder vollmundig beteuert wird.

 ?Durch die Reformen im Gesundheitswesen ist zu verzeichnen, dass die Versorgung immer teurer wird, ohne dass sie qualitativ besser wäre,? sagt Enger. ?Ganz im Gegenteil ? die Patienten erleben, dass trotz steigender Beiträge die Versorgung leidet.?

 Während die Krankenkassen jede  Milliarde, die angeblich mehr in die ambulante Medizin fließt, medienwirksam herausposaunt,  entziehen sie anscheinend klammheimlich und von der Öffentlichkeit relativ unbemerkt an vielen anderen möglichen Schaltstellen Mittel aus der ambulanten Versorgung.  So ist der Prozentsatz der Finanzmittel, die in die ambulante Medizin fließen innerhalb von 10 Jahren von 21% auf 15% gesunken.

 Der BFAV sieht es als vorrangige Aufgabe ansehen, für die Interessen der ambulant-operativ tätigen Kollegen in den neuen Vertreterversammlungen  von KVB und KBV nachhaltig einzutreten, um diese aberwitzige Entwicklung schnellstmöglich zu korrigieren.

Dazu gibt es auch mehrere Kommentare bei www.facharzt.de