Notfallreform darf fachärztliche Versorgung nicht gefährden
Fachärzte gehören in die Praxis und nicht auf die Straße
Die im Rahmen der geplanten Notfallreform vorgesehenen Maßnahmen, insbesondere die Einführung eines 24/7-Fahrdienstes für niedergelassene Vertragsärztinnen und -ärzte, stoßen bei vielen Fachärztinnen und Fachärzten auf erhebliche Bedenken.
Bereits heute sind fachärztliche Praxen durch eine hohe Nachfrage und lange Wartezeiten auf Termine stark belastet. Vor diesem Hintergrund ist es nicht vertretbar, hochspezialisierte Fachärztinnen und Fachärzte während der regulären Sprechstundenzeiten in einen erweiterten allgemeinen Bereitschaftsdienst einzubinden. Dies würde zwangsläufig zu einem weiteren Rückgang dringend benötigter fachärztlicher Behandlungskapazitäten führen – zulasten der Patientinnen und Patienten.
Eine Ausweitung des auf sprechstundenfreie Zeiten ausgelegten Bereitschaftsdienstes auf die regulären Praxiszeiten hingegen verkennt die Versorgungsrealität und setzt falsche Prioritäten. Die geplanten erhöhten Anforderungen an die allgemeinärztlichen Versorgung – insbesondere im Rahmen eines flächendeckenden Fahrdienstes während der Sprechstundenzeiten sind nicht notwendig und dürfen keinesfalls unter Einbeziehung der Fachärzte erfüllt werden. Eine Fehlsteuerung zulasten der fachärztlichen Versorgung wäre kontraproduktiv und gefährdet die Qualität der medizinischen Betreuung insgesamt.
„Es kann nicht sein, dass alle sich über lange Wartezeiten auf Facharzttermine beklagen und dann hochspezialisierte Fachärzte während der Sprechzeiten aus Ihren Praxen geholt werden, um Husten und Schnupfen zu behandeln“, verwahrt sich Dr. Wolfgang Bärtl, Orthopäde aus Neumarkt und Altvorstand des BFAV, jetzt schon gegen ein derart kontraproduktives Ansinnen.
Die geplante Notfallreform darf nicht dazu führen, dass dringend benötigte fachärztliche Leistungen weiter eingeschränkt werden und die Wartezeiten auf Facharzttermine weiter steigen. Stattdessen sind zielgerichtete Lösungen erforderlich, die sowohl die Notfallversorgung stärken als auch die ambulante Regelversorgung nachhaltig sichern.
