21.06.2022

Solidarischer Widerstand – BFAV bekommt Unterstützung im Konnektorenstreit!

Dr. Gernot Petzold, Augenarzt

Der Widerstand gegen die verkorkste Digitalisierungsstrategie in den Arztpraxen wächst und lässt die Ärzteschaft enger zusammenrücken. So wird die Zahl der Berufsverbände, die zur Telematikinfrastruktur auf kritische Distanz gehen immer größer. Zwischenzeitlich haben sich der Deutsche Berufsverband der HNO-Ärzte und der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) dem Protest des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV) angeschlossen. Immer mehr Verbände fordern gemeinsam ein sofortiges Umlenken.

Dr. Gernot Petzold, selbständig niedergelassener Augenarzt in Kulmbach gleichzeitig TI-Beauftragter im BFAV-Vorstand sieht sich in seiner Kritik bestätigt. In Anbetracht des bevorstehenden Austausches von rund 130.000 Konnektoren und der damit verbundenen ungeklärten Kostenproblemen – die Verhandlungen zwischen KBV und den Krankenkassen sind vorerst gescheitert – fordere jetzt auch HNO-Chef Dr. Dirk Heinrich als Sofortmaßnahme ein Moratorium der Telematikinfrastruktur. „Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem es, nüchtern betrachtet, rationaler ist, auf einen neuen Weg umzuschwenken, als das tote TI-Pferd weiter zu reiten“, so Heinrich.

Auch der BVKJ ruft zwischenzeitlich eindringlich zum Boykott des E-Rezeptes auf und warnt davor, sich an den „behördlich verordneten Experimenten zum E-Rezept“ zu beteiligen. Der Verband verweist in aller Deutlichkeit darauf, dass seine Mitglieder nur bereit seien Technologien in Ihren Praxen zu nutzen, die eine Erleichterung für Ärzte und Patienten bedeuten, und die Sicherheit bei der Anwendung und der Datenverarbeitung als unabdingbare Voraussetzung gewährleisten würden.

Wachsende Kritik

Auf die Einhaltung dieser Grundsätze zur Anwendung der Telematikinfrastruktur drängt der BFAV schon von Anbeginn der Diskussion seit 2019. Die Gewährleistung der Datensicherheit ist für den fachübergreifenden Ärzteverband eine „unabdingbare Voraussetzung beim Einsatz von digitalen Anwendungen in den Arztpraxen. Hartnäckigen Versuche, den Datenschutz auszuhöhlen – wie aktuell vom Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach erneut vorgetragen – trete der BFAV entschieden entgegen. „Die ärztliche Schweigepflicht und das Arzt-Patientengeheimnis sind nicht verhandelbar!“ Datensicherheit bedeute den Schutz aller Patientendaten und gleichzeitig des ärztlichen Berufsrechtes, so bekräftigt der Klageführer des BFAV.  Die Teilnahme an der Telematikinfrastruktur müsse deshalb unter Abwägung aller Risiken freiwillig erfolgen, die Honorarabzüge bei Nichtteilnahme an der TI gestoppt und die zurückbehaltenen Gelder ausbezahlt werden. „Wir fordern alle Berufsverbände auf, sich diese Forderungen zu eigen zu machen und sich unserer Klage gegen den Zwangsanschluss an die TI anzuschließen“, hofft  Petzold auf breite Solidarisierung der Kollegenschaft.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV