30.05.2022

Konnektorentausch – Digitaler Scherbenhaufen! Verhandlungen zu Erstattung bei Konnektorentausch gescheitert.

Dr. Gernot Petzold

Die Digitalisierungspolitik von Bundesgesundheitsministerium (BMG) und Gematik ist aus Sicht des Bayerischen Facharztverbandes ein Scherbenhaufen, so Vorstandsmitglied Dr. Gernot Petzold. Der Kulmbacher Augenarzt und Klageführer im Prozess gegen den Honorarabzug bei TI-Nichtanschluss sieht alle wichtigen Vorhaben „auf ganzer Linie gescheitert.“

Nach Meinung Petzolds würde das Notfall-Datenmanagement von Patienten kaum nachgefragt. Gleiches gelte für den elektronischen Medikationsplan. Das Versichertenstammdatenmanagement sei wiederum eine reine Dienstleistung für die gesetzlichen Krankenkassen ohne jegliche Verbesserung für die Versorgung. Der elektronische Arztbrief sei wegen technischer Probleme und mangelnder Integration in die Praxisverwaltungssysteme nur sehr eingeschränkt nutzbar. Noch schlechter sei es um die elektronische Patientenakte bestellt, gerade einmal 0,6% der GKV-Versicherten verfügen über eine ePA.

Stelle man die bereits angefallenen Kosten gegenüber, falle die Bilanz noch schlechter aus. Im Schnitt hätte jede an die Telematikinfrastruktur angeschlossene Arztpraxis „9000 € draufgezahlt, die nicht erstattet wurden.“ Aktuell seien jetzt noch die Verhandlungen zwischen der KBV und im GKV-Spitzenverband über die Erstattung der Kosten für den Tausch der Konnektoren gescheitert.
Vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar zeige sich der Vorsitzende der Bundesärztekammer Reinhardt auf dem Ärztetag optimistisch: „Die Digitalisierung hat ein enormes Potenzial, die Patientenversorgung zu verbessern und den Arbeitsalltag in Praxen und Kliniken zu erleichtern. Darüber und über den notwendigen Fortschritt, den wir in diesem Zusammenhang in Deutschland brauchen, besteht in der Ärzteschaft kein Zweifel.“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erklärt ebenfalls freudig erregt: „Wir sind uns einig, dass wir um die Digitalisierung nicht herumkommen.“  Diese mache die medizinische Versorgung besser.
Gegen diese euphorische Stimmungsmache von BMG und BÄK-Spitze wendet sich der Bayerische Facharztverband mit Petzold entschieden: „Jede niedergelassene Ärztin und jeder niedergelassene Arzt muss freiwillig entscheiden dürfen, ob sie sich an dieser Telematikinfrastruktur und deren Anwendungen beteiligen oder nicht. Der BFAV führt deshalb konsequent die Klage gegen den unserer Meinung nach unrechtmäßigen Honorarabzug bei Nichtanschluss an die Telematikinfrastruktur fort,“ so Petzolds Zusicherung an die Kollegen.