10.05.2022

Besser für alle – Fachärzte vom allgemeinen Bereitschaftsdienst befreien.

Dr. Wolfgang Bärtl

Bayerischer Facharztverband fordert Bereitschaftsdienstreform. Qualifizierte Spezialisten sind im allgemeinen Bereitschaftsdienst fehl am Platz – Fachärztlicher Bereitschaftsdienst muss erhalten bleiben. Die uneingeschränkte Teilnahme am allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienst: für niedergelassene Fachärzte Hemmschuh und berufliches Risiko, für Patienten ein gesundheitliches Roulette.

Der Bereitschaftsdienst erweist sich seit seiner Reform als immer größerer Hemmschuh in der Niederlassung, gerade für Fachärzte, die sich mit dieser Zusatzbelastung in strukturschwachen Gebieten konfrontiert sehen. So findet sich z.B. seit Jahren keinen Hautarzt mehr für Wunsiedel und die KVB muss nun versuchen, dort die Versorgung mit einem Eigenbetrieb sicher zu stellen. In Anbetracht der parallel zunehmenden Überalterung in der Ärzteschaft und mit Blick auf die anrollende Ruhestandswelle sollte jedoch die Niederlassung attraktiver und gleichzeitig der Bereitschaftsdienst im Interesse einer sicheren und zielgerichteten Patientenversorgung optimiert werden. BFAV-Vorstand Dr. Wolfgang Bärtl, niedergelassener Orthopäde in Neumarkt/Opf. plädiert deshalb dafür, die niedergelassenen Fachärzte vom allgemeinen Bereitschaftsdienst zu befreien. Allgemeinmediziner seien aufgrund ihrer Ausbildung und ihres Praxisalltags generell besser auf diese Einsätze vorbereitet als beispielsweise Psychiater, Hautärzte oder Radiologen. Bärtl fordert deshalb in Übereinstimmung mit der Facharztinitiative in Rheinland-Pfalz die „Professionalisierung des Bereitschaftsdienstes mit einem Wahlrecht für die Kollegen“.
Generell plädiert der Bayerischer Facharztverband dafür, den sog. „Fahrdienst“ in einen „Bringdienst“ umzuwandeln. Deutschlands Gesundheitswesen sei mit der Dreifachschiene Notarztsystem, Notaufnahmen der Kliniken bzw. Bereitschaftsdienstpraxen und ärztlichem Fahrdienst zwischenzeitlich personell wie strukturell dreifach konkurrierend ausgestattet. Der Dienst könnte z.B. auch von ausgebildeten Rettungssanitätern erbracht werden, die ggf. im telemedizinischen Kontakt mit den Bereitschaftspraxen stehen könnten. „So entsteht die dringend notwendige Entlastung bei den Fachärzten. Kein Spezialist muss dann mehr stundenlang als fachfremder Notfallpatientenbetreuer durch die Gegend kutschieren, sondern kann dort helfen, wovon er was versteht,“ wirbt Bärtl gerade mit Blick auf unterversorgte Gebiete um eine erhöhte Attraktivität beim Fachärztenachwuchs.
Wo jedoch fachärztlicher Bereitschaftsdienst Sinn macht, sollte er erhalten und gefördert werden. Damit können Patienten schnell, fachspezifisch, kompetent und meist abschließend behandelt werden. Das schafft zufriedene Patienten und spart Zeit und Geld, da unnötige Krankenhauseinweisungen und Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV, BVNF