13.04.2022

Der Notarztdienst bleibt in Not – BFAV wird sich darum kümmern

Dr. Peter Jung, Notarzt und Gynäkologe

Weder Rahmenbedingungen noch Vergütung des Notarztdienstes in Bayern sind zufriedenstellend gelöst. Die Notarzttätigkeit muss finanziell deutlich aufgewertet werden, um mit vergleichbaren Tätigkeiten konkurrieren zu können. Die Einsatzbereitschaft muss auch von zu Haus aus möglich sein und die Weiterbildung muss vollumfänglich von den Kostenträgern übernommen werden.

Trotz langwieriger und schwieriger Verhandlungen im vergangenem Jahr 2021 zwischen der KVB und den Krankenkassen sind die Ergebnisse für die in Bayern tätigen Notärzte nach wie vor nicht ausreichend. „Es gibt viele offene Baustellen im Notarztsystem, die uns die im Herbst scheidende Legislatur der KVB hinterlassen wird“ beklagt BFAV Vorstandsmitglied Dr. Peter Jung, niedergelassener Gynäkologe und seit fast 25 Jahren Notarzt im Landkreis Hassberge und verspricht den in Bayern tätigen Notärztinnen und Notärzten, sich mit dem Bayerischen Facharztverband in der künftigen KVB-VV verstärkt für die Interessen der Bayerischen Notärzte einzusetzen.
Er nennt dazu 4 Kernziele:

Eine deutliche finanzielle Aufwertung der Notarzttätigkeit.

Die flächendeckende notärztliche Versorgung in Bayern ist mehr als gefährdet, da die Vergütung der Notärzte der Ausbildung und der Verantwortung im Notarztdienst nicht gerecht wird. Zudem können Ärzte nach dem Opportunitätsprinzip bei alternativen, in der Regel weniger belastenden Tätigkeiten in Praxis, Klinik, im allgemeinen Bereitschaftsdienst oder Impfzentren höhere Honorare erzielen. „Für einen durchschnittlichen Brutto-Arbeitslohn von ca. 56 EUR/Stunde werden sich künftig kaum noch Kollegen finden, die bereit sind, die Weiterbildung zur Notärztin oder zum Notarzt auf sich zu nehmen und Ihre Freizeit zu opfern,“ fordert Jung eine erneute spürbare finanzielle Aufwertung der Notarzttätigkeit.

Notarzt-Dienst von zu Hause, und wo es möglich ist, auch von der Praxis aus.

Vielerorts können die Dienstpläne nur unter allergrößten Umständen gefüllt werden. Lücken entstehen u.a. auch dadurch, weil viele Kolleginnen und Kollegen zwar von zu Haus aus oder von der der Praxis aus fahren würden, sich aber nach einer 60-Stunden-Praxis-Woche nicht nochmals 12 bis 24 Stunden auf eine Rettungswache setzen möchten, geschweige denn, dort übernachten wollen. „Ehe, wie zu erwarten, künftig immer mehr Notarztdienste unbesetzt bleiben, müssen wir Kolleginnen und Kollegen gewinnen, die von zu Haus fahren können und dies auch wollen. Gerade auf dem Lande und in eher einsatzschwachen Gebieten sieht Jung eine Chance, die dort häufiger lückenhaften Dienstpläne zu füllen. „Allerdings“, so fügt der Notarzt mit langjähriger Erfahrung an „dürften die Rettungsdienstorganisationen den hauptamtlichen Fahrern des Notarzteinsatzfahrzeugs (NEF) dies dann nicht verleiden, indem diese den NEF-Dienst für solche Fälle dann lediglich im Ehrenamt erbringen dürfen. Dort wo es möglich ist, sollte auch der NEF-Fahrer „seine/n“ Notärztin oder Notarzt abholen können, ohne finanzielle Einbußen zu haben“. Das Fahren aus der Praxis heraus beurteilt er zunehmend kritisch, denn durch die zunehmende Arbeitsverdichtung fehlt der Ärztin / dem Arzt in der Praxis die Zeit für Notarzteinsätze. „Dies wäre allenfalls für größere Praxen mit mehreren Ärzten denkbar“ fügt Jung an.

Notärztliche Weiterbildung muss von den Kostenträgern übernommen werden.

Um die Attraktivität der Notarzttätigkeit zu steigern, müssen die aufwändigen Kosten der Weiter- und Fortbildung zwingend von den Kostenträgern übernommen werden. „Dies gilt umso mehr, so lange Aufwand und Vergütung in so gravierendem Widerspruch stehen“ untermauert Jung seine Forderungen. Einstieg in die Notarzttätigkeit muss für junge Ärztinnen und Ärzte so attraktiv wie möglich gestaltet werden und darf nicht mit hohen finanziellen Hürden verbunden sein.

Erhalt und Stärkung des luft- und bodengebundenen Notarztsystems.

Wir begrüßen die unterstützende Tätigkeit eines Tele-Notarztes aus der integrierten Leitstelle heraus, lehnen jedoch jegliche Weisungsbefugnis vor Ort ab. Der Tele-Notarzt kann und darf den Notarzt vor Ort nicht im Sinne eines teleärztlich gemanagten „Paramedic-Systems“ ersetzen, da dies den gut eingeführten Standard zu Lasten der Hilfesuchenden erodieren würde. Tele-Notarzt ist ein sinnvolles „Ad on“ in der Notfallmedizin, wird aber den physischen Notarzt beim kritisch Kranken nie ersetzen können.

Für diese Ziele und Forderungen wird der Bayerische Facharztverband gemeinsam mit den Notärzten Bayerns eintreten.

Wir bitten daher um Ihre Unterstützung durch eine Mitgliedschaft und bitten um Ihre Stimme bei der Wahl zur Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (27.10.2022 – 09.11.2022, 13:00 Uhr), denn – nur gemeinsam sind wir stark!

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV, BVNF