11.04.2022

Finanzhaie fressen Facharztpraxen

Dr. Dirk Potempa

Der Bayerische Facharztverband (BFAV) befürchtet eine gefährliche Entwicklung durch den gezielten Aufkauf von Facharztpraxen durch gewinnorientierte Großinvestoren mit Monopolisierungstendenz, während in eigener Praxis niedergelassenen Kollegen gerade in strukturschwachen Gebieten nur unter hohem persönlichem Einsatz finanziell noch über die Runden kommen. Somit wird eine flächendeckende Grundversorgung zugunsten lukrativer Spezialleistungen gewinngetriebener MVZ-Strukturen aufs Spiel gesetzt.

Der Bayerischer Facharztverband schlägt Alarm.

So befänden sich "Augenarzt-MVZ- Ketten ausländischer Investoren teilweise bereits mit über 50 Prozent Marktbeherrschung in einigen Zentren auf dem Vormarsch.“ Der negative Einfluss dieser auf Umsatz und Gewinn getrimmten medizinischen Private Equity-MVZ (iMVZ) auf die flächendeckende gute medizinische Versorgung dürfe nach Meinung von BFAV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Bärtl, Orthopäde aus Neumarkt/Opf. „nicht unterschätzt werden.“

Falsche Weichenstellung

Die falsche Weichenstellung in diese Richtung reicht demnach weit zurück. Der aktuelle Gesundheitsminister, Dr. Karl Lauterbach, der schon unter Ulla Schmidt, SPD, im Bundesgesundheitsministerium diente, waren damals schon gemeinsam nach Ansicht des Vorsitzenden Dr. Dirk Potempa, Urologe aus Garmisch-Partenkirchen, Treiber dieser Entwicklung: Die systematische Zersetzung der ambulanten Medizin von selbständig eigenverantwortlich tätige Ärzten hin zu Investoren gestützten MVZs. Statt breit gefächerter Medizin werden schwerpunktmässig lukrative Leistungen, wie OPs in der Ophtalmologie und Orthopädie/Chirurgie sowie radiologische Leistungen oder Labore zur Gewinnmaximierung von anonymen Finanzinvestoren heraus selektiert. Konservative, wenig invasive Behandlungsstrategien werden dadurch in der Fläche ausgedünnt. „Und die Politik zeigt jetzt von den Folgen vollkommen überrascht" wundert sich Potempa. Lauterbach als Initiator dieser – aus Sicht der Patientenversorgung destruktiven Entwicklung – zeige sich heute „überrascht vom divergent entwickelnden Rationierungspotiential.“

Eindringliche Warnung

BFAV-Chef Bärtl warnt vor einer Machtverschiebung innerhalb der Körperschaften. Der Einfluss dieser rapide wachsenden Strukturen auf KV-en und Kammern als ursprüngliche Interessensvertretung der niedergelassenen Kollegenschaft darf nicht unterschätzt werden. Deshalb sollte man sich bei den kommenden Wahlen genau anschauen, welches Klientel sich künftig hinter welchem Label verbirgt,“ so Bärtls Appell an die Kollegen, „sich in einen Verband selbständiger Praxisinhaber für die Zukunft zu rüsten, denn nur gemeinsam sind wir stark!

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV, BVNF