23.09.2020

»KBV im Kotau« – Fieberambulanzen ohne Geld? – Kassenärzte fassungslos

Dr. Wolfgang Bärtl

Die enorme Ausweitung der ärztlichen Dienstleistungen in Pandemiezeiten bei mageren 1,25 Prozent Honorarsteigerung stößt in der Ärzteschaft auf immer mehr Widerstand und Unzufriedenheit mit der eigenen Standesvertretung. Der Bayerische Facharztverband (BFAV) fordert klare Aussagen zur Finanzierung der Fieberambulanzen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sie anordnet und eine bessere Wertschätzung der medizinischen Fachangestellten.

„Statt unterwürfige Ergebenheitsadressen aus dem Berliner Elfenbeinturm abzusondern, sollten sich die Herren KBV-Funktionäre die angespannte Situation in den Praxen an der Front der Pandemieversorgung anschauen, bevor Sie sich vor der Politik in den erbrachten Leistungen ihrer vor Ort arbeitenden Kollegen sonnen“, wundert sich BFAV-Sprecher Dr. Wolfgang Bärtl, Orthopäde aus Neumarkt/Opf. über die Mitteilung aus der KBV-Zentrale, die niedergelassenen Ärzte seien auf ein flächendeckendes Infektionsgeschehen „gut vorbereitet“. 

Die überraschte Reaktion aus den Länder-KVen über dieses unreflektierte Vorgehen zeige ein anders Bild. So gab es laut öffentlicher Beschwerde der KVB im Vorfeld zu dieser Jubelmeldung offenbar keine Informationen für die Länderchefs zu diesem Alleingang der KBV-Spitze. 

Für Bärtl ist dieses Informationschaos ein weiter Mosaikstein im Bild einer völlig abgehobenen Funktionärskaste, die wohl vorrangig am Erhalt ihrer eigenen lukrativen Posten auf Kosten der Ärztebasis interessiert ist. Angesichts der „angedrohten Honorarsteigerung“ von 1,25 Prozent sei ein „derart peinlicher Kotau ein Schlag ins Gesicht aller Kollegen und ihrer Mitarbeiterinnen, die sich in der Coronakrise mit hohem persönlichen Einsatz für die Patienten und das gesamte Gesundheitswesen verdient gemacht haben und im Gegensatz zu den Klinik- und Pflegebeschäftigten keine geldwerte Belohnung von staatlicher Seite bekommen haben“, beklagt der BFAV-Sprecher bitter. 

Da die Führung in Berlin jegliche Bodenhaftung zur Basis verloren zu haben scheint, sind die Berufsverbände aufgerufen, endlich gemeinsam das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen und eine vorzeitige Wachablösung einzuläuten.

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV, BVNF