11.09.2020

Besser regional – KVB treibt Bereitschaftsdienstreform ins Chaos – Endlose Fahrzeiten

Dr. Wolfgang Bärtl

Die Fachärzte wehren sich gegen die Zentralisierung ihrer Bereitschaftsdienste im Freistaat. Der Bayerische Facharztverband (BFAV) beklagt das „Top down“-Konzept der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns als teures Millionengrab mit weiten Wegen. Der Verband unterstützt dagegen das regionale Alternativkonzept der Kinderärzte.

„Gut zwei Jahre nach der verunglückten Reform des allgemeinen Bereitschaftsdienstes in Bayern gegen den Willen eines Großteils der Vertragsärzte wird für den fachärztlichen Bereich dieses Experiment in Top-Down-Manier ohne ausreichende Berücksichtigung regionaler Besonderheiten und mit Inkaufnahme weiter Wege für Patienten wie Ärzte erweitert.

Das mit über 80 Millionen teure Millionengrab Bereitschaftsdienstreform zu Lasten und auf Kosten der Vertragsärzte findet damit seine Fortsetzung“, so bedauert der Neumarkter Orthopäde, BFAV-Vorsitzende und Kreisrat Dr. Wolfgang Bärtl die verfahrene Situation. Der BFAV unterstütze regionale statt zentralistische Lösungen, unterstützt die Kinderärzte der Region und warnt vor den horrenden Kosten der Bereitschaftsdienstreform, „die die Vertragsärzte vermutlich bald schon zu spüren bekommen.“

Hintergrund

Alle Kinderärzte der Oberpfalz sollen - verordnet mit Vorstandsbeschluss der KVB - ab 01.10.2020 zu einer Mammut- Bereitschaftsdienstgruppe zusammengefasst werden, die an drei neu zu errichtenden Bereitschaftspraxen in Regensburg, Weiden und Amberg in sprechstundenfreien Zeiten künftig ihre Dienste analog zu den Bereitschaftspraxen des allgemeinen Bereitschaftsdienstes ableisten.

Während der Landkreis Cham aufgrund einer Sonderregelung ausgenommen ist, soll der Landkreis Neumarkt, obwohl eine Kinderstation am Klinikum vorhanden ist, keine Bereitschaftspraxis bekommen. So müssen die Neumarkter Kinderärztinnen künftig ausnahmslos landkreisfern in Amberg, Regensburg oder Weiden ihre Dienste verrichten.

Eltern kranker Kinder sind umgekehrt ebenso von derart weiten Anfahrten betroffen. Die KVB-Entscheidung wiegt umso schwerer, nachdem der Lkr. Neumarkt mit aktuell drei verwaisten Vertragsarztsitzen für dieses Fachgebiet mit die schlechteste Versorgung in ganz Bayern ausweist.


Nachbesserungsbedarf

Aufgrund dieser Situation gibt es großen Widerstand in der Region, die durch den Verlust ihres bislang bewährten Notdienstes eine wesentliche Verschlechterung sieht. Besonders ärgerlich findet es BFAV-Sprecher Bärtl, „dass die im Vorfeld deutlich vorgebrachten Bedenken und Wünsche nicht angemessen berücksichtigt wurden.“

Selbst in einem vom Neumarkter Landrat Willibald Gailler initiierten Krisengespräch mit dem zuständigen KVB-Vorstand Pedro Schmelz gab es keine Akzeptanz der Neumarkter Lösungsvorschläge seitens der Körperschaft“, kritisiert Bärtl das Procedere, bei dem BAFV-Vertreter in der Vertreterversammlung der KVB nicht eingebunden wurden.

Er appelliert dringend an den Vorstand der KVB, auf die Gruppe der Kinderärzte zuzugehen und für diesen „Neumarkter Kompromiss“ mit Nachdruck zu werben. „Sonst legt die KVB die Zukunft der kinderärztlichen Notfallversorgung im Lkr. Neumarkt in die Hände und Verantwortung der ca. 60 übrigen Kinderärzte der Oberpfalz, die allein mit einer mehrheitlichen Zustimmung zu den Neumarkter Lösungsvorschlägen, die Versorgung mit dem Status quo in Analogie zum Lkr. Cham ermöglichen könnten“, wirbt Bärtl für eine einvernehmliche Lösung, auch um mögliche rechtliche Auseinandersetzungen als letzten Ausweg zu vermeiden.

„Die kinderärztlichen Kollegen in der Oberpfalz möchte ich bitten, im Sinne einer fairen Gleichbehandlung diesem Kompromiss zuzustimmen. Damit kriegen wir hoffentlich die Kuh vom Eis.“

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV