29.05.2020

Haarschnitt vor Gesundheit? – Friseure bekommen Coronazuschlag / Ärzte müssen warten

Dr. Wolfgang Bärtl

Corona führt zu höheren Preisen beim Haarschnitt und beim Arzt. Die Corona-Pandemie bedeutet einen erhöhtem Aufwand wegen besonderer Hygienemaßnahmen und Erschwernissen bei persönlichen Dienstleistungen ebenso wie in Arztpraxen. Friseure berücksichtigen die geänderte Situation mit einer nachvollziehbaren Preisanhebung. Der Corona-Schutzschirm für Arztpraxen ist dagegen nur eine erste bescheidene Nothilfe. Eine nachhaltige Anpassung der Vergütung ärztlicher Leistungen ist für den Bayerischen Facharztverband unumgänglich!

Die Corona-Pandemie stellt alle Dienstleistungsbereiche mit sehr nahem Kunden- bzw. Patientenkontakt vor große Herausforderungen mit Mehraufwand und damit auch höheren Kosten. Beim Friseurhandwerk schlägt sich der erhöhten Aufwand bereits in Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent nieder. Bedingt wird diese notwendige Anhebung neben den erhöhten Hygieneanforderungen mit dem Wegfall des „Cut-and-go-Geschäftes“ mit Umstellung auf ein reines Termingeschäft. 

„Die Parallelen zu unseren Arztpraxen liegen auf der Hand“, so  bestätigt der BFAV-Sprecher, Dr. Wolfgang Bärtl, die jüngsten Erfahrungen aus seiner Orthopädie-Praxis. Gerade in unseren Arztpraxen erhöhen sich gleichermaßen die Aufwendungen für die logistischen Abläufe mit Einlasskontrollen und für aufwändige Hygienemaßnahmen. Der seuchenhygienisch gebotene Umstieg von der „offenen Sprechstunde“, oder analog zum Friseurhandwerk, auch  vom „Open door“ zum reinen Termingeschäft, erfordert erheblich mehr personelle und auch technische Ressourcen in den Praxen, die sich mit der aktuellen Vergütung definitiv nicht mehr darstellen lassen.“

Stress unter Masken 

„Das ständige Tragen von Mund-Nasenschutzmasken mit den dabei verbundenen Kommunikations- und Atemschwierigkeiten, wie das regelmäßige Wechseln von Handschuhen und ggf. auch Kitteln stellen eine zusätzliche, nicht zu unterschätzende, erhöhte Anforderung an die Physis und Psyche von Ärzten und ihren Mitarbeiter/innen dar. 

Die damit verbundenen Anstrengungen erfordern zusätzliche Arbeitspausen und führen zu einer spürbar stärkeren Erschöpfung am Ende eines Arbeitstages“ berichtet der niedergelassene Orthopäde aus seiner persönlichen Erfahrung nach 8 Wochen Arbeit im ´Corona-Modus´.

„Letztendlich behandeln wir deutlich weniger Patienten mit deutlich mehr Aufwand“. Der von der Bundesregierung ausgelobte Schutzschirm von 90% Erstattung der üblichen GKV-Leistungen sei deshalb „nur ein erster wichtiger Schritt zur Beruhigung im unerwarteten Katastrophenfall“.

Dieser aktuelle Notschirm führe langfristig zu erheblichen Fehlanreizen, „da sich das Honorar unabhängig von der Leistung nicht ändert“, fordert Bärtl „den längst überfälligen Einstieg in ein nachhaltiges, aufwands- und leistungsbezogenes Vergütungssystem.“

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV