14.05.2020

»Saubillige Sauberkeit« – BFAV »bedankt« sich für Verhandlungserfolg

Dr. Wolfgang Bärtl

Aufwändige Hygiene-Maßnahmen für 14,73€! Niedergelassene Ärzte haben in Zeiten von Sars-CoV-2 einen enormen Hygieneaufwand in ihrer Praxis. Die Nichteinhaltung wird mit Strafzahlungen von 5000€ geahndet. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat mit dem PKV-Verband einen Zuschlag von gerade mal 15€ ausgehandelt. Der Bayerische Facharztverband BFAV »gratuliert« zu diesem Erfolg.

Laut Bundesärztekammer können Ärzte ab sofort die „Erfüllung aufwändiger Hygienemaßnahmen“ in der Covid-19-Pandemie mit der Analogziffer A245 je Sitzung bis zum 2,3fachen Satz abrechnen. Dies gelte zunächst befristet bis Ende Juli dieses Jahres und sei nur bei „unmittelbarem, persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt anwendbar“, verlautbart die BÄK, allerdings mit folgender Einschränkung: Bei Berechnung der Analoggebühr nach Nr. 245 GOÄ könne ein erhöhter Hygieneaufwand nicht zeitgleich durch ein Überschreiten des 2,3fachen Gebührensatzes für die in der Sitzung erbrachten ärztlichen Leistungen berechnet werden. 

Für den BFAV-Sprecher Dr. Wolfgang Bärtl ist das Ergebnis „ein Armutszeugnis für die BÄK“. Die Körperschaftsfunktionäre seien – so der Orthopäde aus Neumarkt/OPf. – der PKV „mit dieser `Billigheim-Nummer` auf den Leim gegangen, im Glauben, wir würden uns mit eine Analogziffer aus den 70er Jahren, nämlich dem "Quengelverband", für die erheblichen Erschwernisse in der Leistungserbringung im Rahmen der Covid-Pandemie abspeisen lassen.“ 

Diese Gebührenposition sei seit über 25 Jahren mit 6,41 EUR längst unterbewertet.

Stattdessen empfiehlt Bärtl: „Jeder Arzt solle frei entscheiden, ob er die A245 bei einer Konsultation ansetzt oder alternativ bei erhöhten Aufwand durch Covid 19 Hygienemaßnahmen einzelne GOÄ-Ziffern über den Schwellenwert hinaus bis zum Höchstsatz steigert. Nach §5 GOÄ muss dabei natürlich der Steigerungssatz individuell gewählt und die Begründung der Steigerung nach dem Steigerungsgrund differenziert angegeben werden.“ 

Nur mit solch einem Vorgehen kann jeder Praxisinhaber entscheiden, wie er die erhöhten Kosten der Covid19 Hygienemaßnahmen adäquat auf die einzelnen Privatpatienten umlegen kann. 

Kategorie: Bayerischer Facharztverband, BFAV