Montag, 06. August 2012 · 12:50 Uhr

Notdienstlücke dank Kassengeiz!

BFAV unterstützt KVB im Kampf um Aufrechterhaltung der notärztlichen Versorgung. Fast 11 Millionen Euro fehlen. Krankenkassen verweigern den Ausgleich. Der Bayerische Facharztverband (BFAV) sieht in strukturschwachen Gebieten den Zusammenbruch der flächendeckenden Versorgung. Nordostbayern im Fokus.

Steht die notärztliche Versorgung in Bayern vor dem Aus? Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) wird zum 01.10.2012 die Vergütung dafür jedenfalls um 50 Prozent absenken müssen. 

Bislang wurde der Einsatz mit 91 Euro am Tag und 111,50 Euro in der Nacht vergütet. Die KVB erhält, wie sich jetzt herausstellt, von den Krankenkassen viel weniger, da z.B. bei einem Autounfall mit mehreren Verletzten nur für jeweils die Person eine Kostenerstattung erfolgt, die ins Krankenhaus eingeliefert wird. Ausbezahlt an die Ärzte, die diesen Dienst freiwillig leisten, werden die tatsächlichen Leistungen, also auch die Versorgung von Verletzten, die nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Somit ist seit 2010 ein Defizit von 10,9 Millionen Euro angewachsen.

Mit der 50%igen Absenkung hat die KVB jetzt die Notbremse gezogen. Ob sich für diese Entlohnung noch Ärzte für den aufreibenden Notarztdienst finden, ist zumindest für die strukturschwachen Randlagen Bayerns fraglich.

Experten sehen insbesondere die Notarztversorgung im Bayerischen Wald oder im Landkreis Hof gefährdet. »Dieser Kassengeiz ist nicht geil, sondern für die betroffenen Patienten gefährlich, weil er den flächendeckenden Notarzteinsatz in Bayern auf Spiel setzt«, warnt der Vorsitzende des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV), Dr. Hartwig Kohl. Er appelliert an die Politiker, auf die Krankenkassen einzuwirken, »ihre Rechnungen vollständig zu bezahlen. Angesichts der Kassenüberschüsse ist es ein Skandal, wenn Handauflegen bezuschusst wird, aber Lebensretter leer ausgehen«, so Kohl.